Heimat, Rhein und Wäsche in einem neuen Lied
Wer am Freitag bei der Eröffnung von Pützchens Markt dabei war, konnte eine musikalische Premiere erleben: Im Bayernfestzelt wurde im Anschluss an den Historischen Festumzug erstmals der neue Beuel-Song „Der Duft von Beuel“ präsentiert. Die Heimatballade in rheinischer Mundart nimmt die Zuhörer mit in eine Zeit, in der das Wäschereigewerbe das Leben am Beueler Rheinufer prägte.
Ideengeber und Texter des Liedes ist Reiner Burgunder, Käpt’n des Schiffer-Vereins Beuel 1862. Den Text bearbeiteten anschließend Winni Lombardo und Frank Rest. Lombardo singt den Titel, während Frank Rest für das orchestrale Film-Musik-Arrangement verantwortlich zeichnet, das er auch eingespielt und arrangiert hat. Der begleitende Video-Clip stammt ebenfalls von Rest.
Hier gibt es das Video: https://youtu.be/obZbZd_PwkU
Eine Geschichte von Liebe, Arbeit und Sehnsucht
Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Ehepaar. Während die Frau in Beuel die schwere Arbeit mit der Wäsche verrichtet, macht sich der Mann mit dem Wäschetransport auf den Weg nach Köln. Das Lied erzählt dabei weniger von einem historischen Einzelschicksal als von einer Beziehung: von Liebe, Abschied und der Sehnsucht danach, wieder nach Hause zu kommen.
Damit greift „Der Duft von Beuel“ zugleich die damaligen Lebens- und Arbeitsverhältnisse auf. Die Arbeit mit der Wäsche wurde zunächst überwiegend von Frauen verrichtet, während viele Männer in Schifffahrt und Fischerei tätig waren.
Auch im Lied wird diese Aufteilung sichtbar: Die Frau bleibt mit der Arbeit zurück, während der Mann mit der Wäsche nach Köln fährt. Und dort lockt der Karneval.
Vom Wäschetransport zur Weiberfastnacht
Genau an dieser Stelle schlägt das Lied die Brücke zur wohl bekanntesten Beueler Tradition. Die überlieferte Geschichte der Beueler Weiberfastnacht erzählt davon, dass die Männer nach Köln fuhren, während die Wäscherinnen in Beuel zurückblieben. Die Frauen nutzten schließlich ihre eigene Zusammenkunft, um über ihre Männer und deren Verhalten zu sprechen – und machten daraus eine eigene Form des Karnevals.
1824 entstand daraus das erste Beueler Damenkomitee. Die Bundesstadt Bonn beschreibt die Entstehung ausdrücklich als Reaktion der Wäscherinnen auf die Dominanz und Ausbeutung durch Männer. Auch das Alte Beueler Damenkomitee selbst datiert seine Gründung auf 1824.
Zur überlieferten Geschichte gehört außerdem die Episode, dass die Männer nach ihrem Aufenthalt in Köln ohne das erwartete Geld zurückgekommen seien, weil sie es beim Karneval ausgegeben hätten. Der neue Song nimmt diese Geschichte auf, setzt seinen Schwerpunkt allerdings nicht auf den Streit, sondern auf die Beziehung zwischen den beiden Eheleuten.
Denn bei „Der Duft von Beuel“ steht trotz aller historischen Anspielungen vor allem die glückliche Verbindung der beiden im Mittelpunkt. Der Abschied fällt schwer, und die Rückkehr nach Beuel wird zur emotionalen Klammer des Liedes.
Wenn der Duft von Beuel schon von weitem zu riechen ist
Auch der Titel selbst führt zurück in die Heimat. Im Lied geht es um die Rückkehr des Mannes nach Beuel und um den vertrauten Geruch der Heimat. Der Rhein, das Wäscheboot, Köln und schließlich Beuel bilden dabei die Stationen einer kleinen musikalischen Reise.
Das passt zur historischen Bedeutung der Wäsche für den Ort. Der Schiffer-Verein Beuel berichtet, dass die Wäsche zunächst am Rhein gewaschen und gebleicht wurde und später auch Hotels und wohlhabende Kunden aus Bonn und Köln zu den Abnehmern gehörten. Wäschekörbe wurden vom Nachen beziehungsweise Wäscheboot mit Karren transportiert.
So verbindet das Lied mehrere Elemente, die für Beuel bis heute identitätsstiftend sind: den Rhein, die Schifffahrt, das Wäschereiwesen und die Weiberfastnacht.
Tradition trifft Moderne
Bemerkenswert ist dabei auch die Form der Umsetzung. Die Geschichte einer vergangenen Epoche wird nicht mit einem historischen Vortrag erzählt, sondern als neu komponierte Heimatballade mit aufwendig produziertem audiovisuellem KI-Clip.
Damit trifft in „Der Duft von Beuel“ tatsächlich Tradition auf Moderne. Die Geschichte bleibt dieselbe, die Form ihrer Vermittlung verändert sich.
Das ist auch deshalb passend, weil Brauchtum nicht allein davon lebt, dass etwas immer genau gleich gemacht wird. Das Alte Beueler Damenkomitee selbst betont, dass die Pflege der Tradition in der Gegenwart auch Innovation und Umdenken erfordert.
Und der Schiffer-Verein Beuel 1862 steht ebenfalls für diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Der Verein wurde am 6. April 1862 gegründet und versteht sich bis heute als Bewahrer Beueler Traditionen und der Verbundenheit mit dem Rhein.
So schlägt „Der Duft von Beuel“ einen Bogen von 1824 über 1862 bis in die Gegenwart: von den Beueler Wäscherinnen und der Entstehung der Weiberfastnacht über die Geschichte des Schiffer-Vereins bis zu einem neuen Lied, das diese Geschichte für ein heutiges Publikum erzählt.
Eine Heimatballade also – über Arbeit, Liebe und Sehnsucht. Und vor allem über ein Beuel, das seine Geschichte nicht nur bewahrt, sondern sie immer wieder neu erzählt.



