Niedrigwasser: Fahrrinne des Rheins bei Bonn

Fahrrinne des Rheins bei Bonn

Titel-Bild: OpenSeaMap.org mit Kartendaten von OpenStreetMap Contributors, Fahrrinne hervorgehoben in Blau von Beuel.net

Ergänzend zu dem gestern publizierten Artikel zum Niedrigwasser möchten wir heute auf die Details zur Berechnung der verbleibenden Tiefe der Fahrrinne eingehen.

Ausgelöst wurde die Frage durch Zuschriften mit der Frage bis zu welchem Pegel bei Niedrigwasser Schiffe auf dem Rhein fahren können. In diesem Zusammenhang ist kürzlich auch ein Artikel beim General Anzeiger erschienen [GA externer Link]. Diesen möchten wir gerne ergänzen, da die Berechnung der Fahrrinne aus diesem nicht unmittelbar hervorgeht. Aus den im Artikel genannten Werten entsteht ein Widerspruch. Dies nehmen wir zum Anlass einer Detailbetrachtung.

Wie tief ist der Rhein in der Fahrrinne?

Die Fahrrinne ist der Teil eines Gewässer – hier des Rheins – in dem definierte Tiefen und Breiten als Sollwerte vorgehalten werden. Für die Fahrrinne gibt es definierte Solltiefen, also Mindesttiefen, die auf der gesamten Breite der Fahrrinne in diesem Abschnitt zur Verfügung stehen. Laut Definition der WSV:

Die Fahrrinnentiefe ist die Solltiefe in der Fahrrinne bei gleichwertigem Wasserstand (GIW), die im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren für die Schifffahrt vorgehalten wird. [ELWIS externer Link]

Diese Solltiefe ist nicht den ganzen Rhein entlang gleich sondern teilt sich in Abschnitte. Von Koblenz (Moselmündung) bis Krefeld und damit also auch in Bonn sind dies beispielsweise 250 cm Solltiefe.

Die Fahrrinne liegt im Bereich Bonn-Innenstadt überwiegend auf der Bonner Rheinseite, da dort die Außenkurve des Flusses verläuft und die Strömung das Flussbett tiefer ausschürft. Jeder Fluss – auch als Gerinne bezeichnet – folgt dabei der Flussmorphologie. Die Fahrrinne wird aber bei Bedarf durch Baggerarbeiten unterhalten, um die erforderliche Fahrrinnentiefe für die Schifffahrt sicherzustellen.

Nun kann dieser Wert bei niedrigen Pegel nicht garantiert werden. Dafür gibt es den gleichwertigen Wasserstand (GlW): Das ist der Wasserstand, der bei gleichwertigen niedrigen Abflüssen längs des Rheins auftritt. [ELWIS externer Link].
Da jeder Pegelnullpunkt in jeder Stadt anders definiert ist gibt die WSV regelmäßig eine Tabelle mit den GlW-Werten heraus. [ELWIS externer Link].

Für Bonn liegt dieser GlW seit 2022 bei 142 cm.

Zusammengefasst: bei 142 cm Bonner Pegel läge die Fahrrinnentiefe bei 250 cm. Sinkt der Pegel weiter reduziert sich die verbleibende Fahrrinnentiefe entsprechend.

Durch Ablagerungen können zusätzliche örtliche Fehltiefen auftreten.

Verbleibende_Fahrrinnentiefe = Pegel − GlW + Solltiefe − Fehltiefe     (I)

Setzen wir nun die Werte GlW = 142 cm und Solltiefe = 250 cm in (I) ein, so ergibt sich für Bonn:

Verbleibende_Fahrrinnentiefe_Bonn = Pegel_Bonn + 108 cm − Fehltiefe     (II)

Generell wird zur Berechneten verbleibenden Fahrrinnentiefe noch 20 – 30 cm Sicherheitsabstand subtrahiert:

abzüglich 20-30 cm Sicherheitsabstand; je nach Schiffstyp/Ladung

so Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.

Schematische Darstellung der Fahrrinne des Rheins am Pegel Bonn
Beuel.net, eingetragen von oben nach unten GlW, Pegelnullpunkt und Solltiefe, Querschnitt durch Flussbett, an der tiefsten Stelle Fahrrinne markiert

Für Bonn ergibt sich für den aktuell (29. Juli 2026 12:00) vorherrschenden Pegel von 84 cm eine verbleibende Fahrrinnentiefe von 192 cm ohne Berücksichtigung des Sicherheitsabstandes.

Rein mathematisch läge die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 0 cm Bonner Pegel noch bei 108 cm.

Bonner Pegelverbleibende Fahrrinnentiefe
150 cm258 cm
142 cm (GlW)250 cm
100 cm208 cm
0 cm108 cm
Verbleibende Fahrrinnentiefe am Pegel Bonn gemäß GlW von 2022 ohne Berücksichtigung von Sicherheitsabständen. Alle Angaben ohne Gewähr. Beuel.net, 29. Juli 2026

Fazit

Um im Bereich Bonn auf dem Rhein fahren zu können muss der Tiefgang des Schiffes kleiner sein als der Bonner Pegel + 108 cm (plus Sicherheitsabstand).

Alle Angaben nach bestem Wissen jedoch ohne Gewähr. Bitte verwenden Sie für die Schifffahrt nur die offiziellen Quellen direkt.

Quellenangabe

  • https://www.elwis.de/DE/Binnenschifffahrt/Verkehrsinformationen/Rhein/Hinweis-Fahrrinne-GlW.pdf?__blob=publicationFile&v=4
  • https://www.elwis.de/DE/Service/Telematikanwendungen/Inland-ECDIS/Allgemeines/ARGO/Fahrrinnensituation/Fahrrinnensituation-node
  • Rückfrage bei Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.

Anmerkung

Eingangs sprachen wir den GA Artikel an, dieser hatte uns stutzig werden lassen, da in ihm ein Pegel von 95 cm und eine verbleibende Fahrrinnentiefe von 214 cm erwähnt werden. Rein mathematisch wäre dies nur bei einem hypothetischen GlW von 131 cm möglich, was nicht im Einklang mit der WSV stünde. Vermutlich erfolgte die Berechnung der 214 cm zu einem anderem Zeitpunkt mit einem anderen Pegelwert als den im GA Artikel aktuell genannten 95 cm. Der Vollständigkeit halber:
– bei 106 cm Bonner Pegel wie am 13.07.2026 um 08:45 lag die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 214 cm
– bei 95 cm Bonner Pegel wie am 15.07.2026 um 16:00 lag die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 203 cm