Titelfoto von Christoph Gietz
Mit einem Niedrigwasser-Stein hält der Schiffer-Verein Beuel den außergewöhnlich niedrigen Rheinpegel von 2026 fest. Bei der feierlichen Platzierung durfte auch eine Portion Beueler Humor nicht fehlen.
Am Rhein gehört es zum Leben dazu, dass sich der Strom immer wieder von einer anderen Seite zeigt. Mal führt er Hochwasser, mal zieht er sich weit zurück. Der Schiffer-Verein Beuel 1862 e.V. hat nun auch dem Niedrigwasser ein dauerhaftes Zeichen gewidmet: Am heutigen 16. Oktober 2026 platzierte der Verein feierlich einen Niedrigwasser-Stein im Rhein.
Damit greift der Verein eine Tradition auf, die auch aus anderen Abschnitten des Rheins bekannt ist. Dort sind solche Steine als sogenannte Hungersteine bekannt. Sie erinnern an Zeiten, in denen der Wasserstand besonders niedrig war und Dürre sowie eingeschränkte Transportmöglichkeiten für die Menschen am Fluss mit Not verbunden sein konnten.
Eine Botschaft für die Zukunft
Für den neuen Beueler Stein hat Steinmetz Naundorf eine Inschrift angefertigt. Sie hält nicht nur den Anlass fest, sondern gibt dem Stein auch eine Botschaft mit auf den Weg:
Schiffer-Verein Beuel 1862 e.V.
Niedrigwasser Stein
Anno 2026 Pegelstand 58 cm am 27. SeptemberDer Rhein gibt frei, was sonst verborgen bleibt.
Mit Gott voraus!
Die eingemeißelte Pegelangabe von 58 Zentimetern macht den Wasserstand zum Teil der Beueler Vereinsgeschichte. Der Stein soll aber nicht nur an das Jahr 2026 erinnern. Er ist zugleich für kommende Generationen gedacht.
Der Käpt’n brachte die Idee mit typisch rheinischem Humor auf den Punkt. Nachdem der Verein bereits den Hochwasserpegel und die Beueler Familie aufgestellt habe, wolle man nun auch etwas in den Rhein legen. Seine Hoffnung: „dass wir nicht mehr so schnell Niedrigwasser kriegen“.
Und damit nicht nur die heutige Generation ihre Spuren hinterlässt, ist bereits vorgesorgt. Auf dem Stein wurde bewusst Platz freigelassen. Dort könnten, so die Vorstellung des Käpt’ns, die Nachkommen in 100 Jahren den nächsten Niedrigwasserstand eintragen.

Ein weiter Weg zum Wasser
Anschließend wurde der schwere Stein vor den Augen der Festgemeinde in Richtung Rhein transportiert. Unter den Gästen war auch die Leiterin der Station der Wasserschutzpolizei Beuel, Sandra Huster-Stemke.
Wie weit sich der Rhein zurückgezogen hatte, war an der Wasserlinie auf Höhe des Flaggenmasts gut zu erkennen: Sie lag weit in Richtung Flussmitte. Für die Platzierung des Steins war das eine besondere Ausgangslage.
Der Käpt’n hatte sich für seinen Einsatz eigens mit seinen „Sicherheits-Sandalen“ gerüstet. Wo ein Wille ist, da gibt es auch eine pragmatische Lösung. So ging es hinaus an die vorgesehene Stelle, um den Stein an die richtige Position zu bringen.
Nachdem das Vorhaben gelungen war, stieß die Festgemeinde gemeinsam auf die erfolgreiche Umsetzung an.

Zum Leben mit dem Rhein gehört beides
Der Schiffer-Verein Beuel wurde 1862 als Solidargemeinschaft der Beueler Rheinanlieger gegründet. In seiner Geschichte spielte die Unterstützung von Mitgliedern in Not eine wichtige Rolle. Die Verbundenheit mit dem Rhein und die Pflege des überlieferten Brauchtums prägen den Verein bis heute.
Hochwasser hat den Menschen am Strom immer wieder Herausforderungen bereitet. Doch auch Niedrigwasser gehört zum Leben am und mit dem Rhein. Es verändert das Ufer, gibt bislang Verborgenes frei und hält der Gegenwart vor Augen, wie stark der Alltag in Beuel mit dem Fluss verbunden ist.
Der neue Niedrigwasserstein macht diese Erfahrung sichtbar. Mit seiner Inschrift hält er einen konkreten Wasserstand fest – und lässt zugleich Platz für das, was noch kommen wird. Vielleicht wird der Stein lange unter Wasser bleiben. Vielleicht wird er irgendwann wieder sichtbar. Und vielleicht werden die Nachkommen des heutigen Schiffer-Vereins dann tatsächlich die freie Stelle ergänzen.
Bis dahin gilt der Wunsch des Käpt’ns: möglichst nicht so bald wieder einen Anlass für einen neuen Eintrag zu haben.
Weitere Informationen zum Schiffer-Verein unter: https://schifferverein-bonn-beuel.de/

