Neue Hochwassermarke erinnert am Mehlemschen Haus an die Katastrophe von 1784

Beuel. Eine neue Hochwassermarke erinnert jetzt auch am Mehlemschen Haus in der Rheinaustraße an das verheerende Eishochwasser von 1784. Die Marke ist bereits am Gebäude angebracht worden. Eine begleitende Veranstaltung wird nach Angaben des Denkmal- und Geschichtsvereins dazu Anfang kommenden Jahres stattfinden.

Damit kommt eine weitere sichtbare Erinnerung an die schwerste Hochwasserkatastrophe in der Geschichte Beuels hinzu. Das Eishochwasser von 1784 gehört zu den extremsten Ereignissen in der Geschichte des Bonner Pegels. Für das Ereignis wird ein Wasserstand von 14,23 Metern in Beuel bezogen auf den heutigen Bonner Pegel angegeben.

Während die Marke an das Hochwasser erinnert, zeigt der Rhein gerade sein anderes Extrem

Der Zeitpunkt für die neue Hochwassermarke ist bemerkenswert: Während sie an die gewaltige Wassermenge von 1784 erinnert, führt der Rhein in diesen Tagen vor Augen, wie unterschiedlich sich ein Fluss präsentieren kann.

Am 7. August meldete Beuel.net unter Berufung auf die Rohdaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) für den Bonner Pegel einen Wasserstand von 74 Zentimetern. Damit wurden dort die niedrigsten Werte seit 1927 erreicht. Die WSV-Werte sind zunächst ungeprüfte Rohdaten und können nachträglich korrigiert werden.

So liegen am Mehlemschen Haus gewissermaßen zwei Extreme des Rheins gedanklich nur wenige Schritte auseinander: Die neue Marke macht sichtbar, wie hoch das Wasser einst stand. Der heutige Blick auf den Fluss zeigt dagegen, wie weit der Rhein bei Niedrigwasser zurückweichen kann.

Ein Haus mit eigener Hochwassergeschichte

Das Mehlemsche Haus an der Rheinaustraße 131 gehört selbst zu den historischen Gebäuden, die eng mit der Geschichte des Beueler Rheinufers verbunden sind. Wann genau das heutige Mehlemsche Haus errichtet wurde, ist nicht abschließend geklärt. Der Denkmal- und Geschichtsverein nennt auf seiner Projektseite zwei überlieferte Auffassungen: Danach könnte Johannes Paul Mehlem den heutigen Bau vermutlich 1785 nach dem Hochwasser von 1784 errichtet haben. Nach einer anderen Auffassung entstand das Wohnhaus bereits zwischen 1750 und 1770 und überstand die Katastrophe. Ein Vereinsflugblatt von 2016 vertritt ausdrücklich diese ältere Datierung und ordnet die Jahreszahl 1785 am Torbogen dem Wiederaufbau der Wirtschaftsgebäude zu.

Fest steht, dass das Haus mit dem Fährmeister Johannes Paul Mehlem verbunden ist. Die Familie Mehlem betrieb an der damaligen Combahn die Rheinfähre, die als Gierponte bekannt war. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz und wird von der städtischen Musikschule genutzt.

Der Denkmal- und Geschichtsverein hat sich seit seiner Gründung 1975 besonders für die Erhaltung des Gebäudes eingesetzt. Die Rettung und Wiederherstellung des vom Abriss bedrohten Mehlemschen Hauses war der Anlass für die Gründung des Vereins.

Erinnerung an das „Jahrtausend-Hochwasser“

Die neue Marke am Mehlemschen Haus ist Teil einer Reihe von Erinnerungszeichen, mit denen in Beuel an das Ereignis von 1784 erinnert wird. Bereits an anderen historischen Gebäuden im Stadtbezirk befinden sich entsprechende Hochwassermarken. Genannt werden unter anderem das Fachwerkhaus des Heimatmuseums, die Kirche St. Josef, das Pfarrhaus der Doppelkirche in Schwarzrheindorf sowie das Bürgermeister-Stroof-Haus.

Eine von Manfred Spata verfasste Publikation trägt den Titel „Das Jahrtausend-Hochwasser von 1784 in Bonn und Beuel. Beueler Hochwassermarken als Erinnerung an die Eiskatastrophe“. Die Publikation ist inzwischen in einer Neuauflage erhältlich. Nach Angaben Spatas liegt die neue Auflage seit Juni 2026 vor und ist im Bürgermeister-Stroof-Haus erhältlich.

Die ursprünglich geplante Veranstaltung rund um die neue Marke am Mehlemschen Haus findet allerdings nicht wie zunächst vorgesehen statt. Wegen Veränderungen im Verein wurde sie auf den Anfang des kommenden Jahres verschoben.

Die Marke selbst muss darauf nicht warten. Sie ist bereits angebracht – und erinnert damit dauerhaft an eine Zeit, in der der Rhein in Beuel nicht zu wenig, sondern gewaltig zu viel Wasser führte.

Die Hochwassermarke von 1784 befindet sich an der rechten Ecke des Mehlemschen Hauses etwas oberhalb des Torbogens und knapp unter den Fenstern der ersten Etage.

Quellen

  • E-Mail-Korrespondenz vom 5./6. August 2026 mit Manfred Spata, Georg Divossen sowie Mitteilung von Elisabeth Rolffs vom 6. August 2026. Daraus stammen insbesondere die Angaben zur bereits montierten Hochwassermarke, zur Verschiebung der Veranstaltung auf Anfang 2027 und zur Neuauflage der Publikation seit Juni 2026.
  • https://www.denkmalverein-bonn.de/projekte_mehlemsches_haus