Kategorie: rhein

  • Vortrag: Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum bis 2026

    Vortrag: Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum bis 2026

    Vor 5 Jahren ereignete sich die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal und in vielen weiteren Teilen des Landes. Allein an der Ahr starben 135 Menschen. Ganze Orte wurden verwüstet. Die sonst so friedlich wirkenden Flüsse brachten in kurzer Zeit Not und Zerstörung. Wie außergewöhnlich war das Ereignis und was können wir für die Zukunft lernen? Den heutigen Tag nehmen wir zum Anlass, um den Opfern zu gedenken und um einen Rückblick auf einen Vortrag zu diesen Themen zu geben.

    Am 18. Juni 2026 fand der Vortrag „Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum“ in den Räumen der Volkshochschule (VHS) in der Bonner Innenstadt statt. Als Referenten sprachen Prof. Dr. Jürgen Herget vom Geographischen Institut der Universität Bonn und Dipl.-Ing. Manfred Spata. Das Credo: aus der Vergangenheit für heute und morgen lernen. Durch das Programm führte der stellvertretende Beueler Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer.

    Der Vortrag gliederte sich in drei Themenschwerpunkte, vom heute bis in die römische Vergangenheit:
    – Ahr-Hochwasser 2021 im historischen Kontext – Jürgen Herget
    – Eis-Hochwasser (des Rheins) 1784 – Manfred Spata
    – Hochwassergeschichte bis zur Römerzeit – Jürgen Herget

    Der gesamte Vortrag war hoch spannend und informativ gestaltet. Es würde den Rahmen sprengen alle Erkenntnisse zu erwähnen. Daher beschränken wir uns auf einzelne Punkte, die wir aus Sicht von Beuel.net und für das generelle Verständnis von Hochwasser besonders wichtig erachten.

    Kennzahl Abfluss

    Für eine wissenschaftliche Betrachtung der Hochwasser ist immer auch eine Abschätzung der Wassermengen pro Zeit relevant, die als Abfluss bezeichnet. Der Pegelstand, der für den Normalbürger durchaus besonders wichtig erscheint, steht in Abhängigkeit mit dem Abfluss und dem Querschnitts des Flussbettes sowie den Hindernissen in diesem.

    => Abfluss beschreibt Wassermenge pro Zeit, z.B. Liter pro Sekunde

    Hochwasser im Ahrtal 2021 versus 1804

    Überraschend in diesem Zusammenhang erscheint, dass es im Ahrtal bereits im Jahre 1804 ein ähnliches Hochwasserereignis gegeben hatte – sofern man sich auf die Wassermengen bezieht. Der Pegel blieb jedoch deutlich unter dem von 2021. Das überrascht zunächst, doch Prof. Herget konnte es anhand von Querschnitts-Zeichnungen exemplarisch für den Ort Dernau verständlich erklären: das Tal blieb von den seitlich angrenzenden Bergen unverändert, jedoch wurde das Gebiet in den letzten 200 Jahren dicht besiedelt.

    Jedes Haus stellt für das Wasser ein Hindernis dar, durch Prallwasser aber auch durch sein reines Volumen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass sich an mehr Hindernissen auch mehr Treibgut verfangen kann, so dass es zu Aufstauungen kommt. Das alles führte dazu, dass der Pegel 2021 sehr viel höher war als noch 1804.

    => Änderung des Querschnitts durch Bebauung

    Womit rechnet man?

    Ob man mit einem solchen Ereignis im Ahrtal gerechnet hatte? Die Pegelmesseinrichtungen lassen einen anderen Schluss zu. Der Pegel der Ahr war so hoch, dass er selbst Pegelhäuser überstieg und zerstörte. In der Folge fehlte es an Daten, aus denen man die Abflusswerte hätte berechnen können. Prof. Herget war zu diesem Zwecke als Team im Ahrtal um anhand von Treibgutablagerungen, Beschädigungen an Bäumen und Häusern, Höhen zu bestimmen, aus denen dann eine Abschätzung möglich wurde.

    => Pegelindikatoren finden sich auch abseits der klassischen technischen Messeinrichtungen

    Hochwasserschutz und Politik

    Ist es die Forschung, die sich mit dem Hergang und den Folgen von Wetterereignissen und in der Folge Hochwassern beschäftigt, so ist deren Bewertung und Berücksichtigung auch immer eine politische Entscheidung. Unterschiedliche Interessen stehen dabei mitunter in Konkurrenz zueinander – wie etwa der Wunsch nach fluss- oder stadtnahem Wohnraum versus der Gefahr von Überschwemmungen versus Kosten. Es bleibt wie immer im Leben eine individuelle Risikoabschätzung.

    Mögen die Hochwasserkatastrophen ein Weckruf gewesen sein und die Menschen nicht vergessen lassen, welche Gefahren auch aus scheinbar friedlichen Flüssen erwachen können. Da auch am Rhein ein Pegel von über 9,50 Meter wieder auftreten wird (Höchstwerte waren 10,13 in den 90er Jahren und ca. 14,23 m 1784) könnte man so zu dem Schluss kommen, dass in Beuel kaum ein Haus hätte gebaut werden dürfen. Zumindest beschloss man in den Erdgeschossen keine Wohnräume mehr zu genehmigen sondern nur noch Abstellräume und Garagen etc.

    => Hochwasserschutz ist immer eine Risikoabschätzung und auch eine politische Frage

    Bewusstsein schaffen und bewahren

    In diesem Sinne ist das Engagement des Geschichtsvereins zu begrüßen an vielen Stellen in Beuel Hochwassermarken anzubringen, um genau daran zu erinnern: Hochwasser ist und bleibt eine Gefahr, trotz aller Bemühungen und mitunter trügerischer Sicherheit. Je seltener die Ereignisse auftreten um so schneller wähnt man sich in Sicherheit (Stichwort: „Hochwasser-Demenz“).

    Wer wohnt heute in Beuel, der selbst noch eines der Hochwasser der 90er-Jahre erlebt hat? Diese liegen nun auch bereits schon 30 Jahre in der Vergangenheit. Wer sie nicht kennt, denkt vielleicht die Hochwassermauer ist fertig gestellt, da könne ja nichts passieren. Ob sich jeder damit beschäftigt hat, dass sie ab 9,50 m überspült werden und dann die Rheinaustraße schlagartig unter Wasser steht? Darauf immer wieder hinzuweisen, dem gehen auch wir nach. Nicht um Angst zu machen, sondern um

    => ein Bewusstsein zu schaffen, dass schnelles Handeln in Zukunft auch in Beuel erforderlich sein wird.

    Der Rhein hat kein Gedächtnis

    Schaut man sich Begriffe wie Jahrhunderthochwasser etc. an, steht oft dabei „ein Ereignis wie es statistisch in 100 Jahren einmal auftritt“. Der Trugschluss: das passiere also nur alle 100 Jahre. Doch der Rhein hat kein Gedächtnis. Es gibt keine Garantie, dass nicht zwei oder mehr Hochwasser direkt aufeinander folgen. Plakatives Beispiel sind am Rhein 1993 und 1995. Innerhalb von nur 2 Jahren ereigneten sich 2 „Jahrhunderthochwasser“. Diese Bezeichnungen dienen mehr der Einordnung und können helfen Hochwasserstände an unterschiedlichen Orten einfacher vergleichen zu können. Sie sind kein Garant für die Zukunft.

    => Jahrhunderthochwasser heißt nicht: nur alle 100 Jahre

    Eishochwasser 1784

    Dem Eishochwasser 1784 ging ein Vulkanausbruch im Jahre 1783 voraus. Dessen Aschewolke verdunkelte Europa erheblich, was zu einem besonders strengen Winter führte. Der Rhein fror zu, so dass man ihn zu Fuß überqueren konnte. Selbst Volksfeste wurden darauf veranstaltet. Als dann im Frühjahr 1784 Tauwetter einsetzte und aus den südlichen Zuflussgebieten des Rheins immer mehr Wasser Richtung Nordsee strömte, konnte das Eis zunächst nicht so schnell schmelzen. Die Folge: das Wasser floss über den gefrorenen Rhein. Als sich mit der Zeit die Eisschicht schmolz, teilte sie sich in Eisschollen. Diese konnten jedoch nicht ungehindert abfließen, so dass sie sich verkeilten und das heran eilende Wasser zusätzlich stauten. So kam es zu den extremen Pegelwerten um 14,23 m.

    => Verkettung von außergewöhnlichen Naturereignissen

    Hochwasserberechnung ohne Pegelmessgeräte

    Im dritten Teil des Vortrages wurden Verfahren vorgestellt, wie man anhand schriftlicher Überlieferungen Pegelstände und Abflüsse rekonstruieren kann. Dies gleicht einer detektivischen Arbeit. Vereinzelt finden sich Angaben bis wohin das Wasser stand, woraus sich, sofern die Gebäude noch stehen oder bekannt sind, Näherungen ermitteln lassen.

    In einem Beispiel eines Textes von Tacitus wird deutlich, dass Wissen aus der Zeit elementar ist, um Größenordnungen abzuschätzen. Ist überliefert, dass Schiffe nicht mehr fahren können, kann aus deren bekannten Abmessungen der Tiefgang ermittelt werden und so eine Aussage über den Wasserstand getroffen werden. Kämpften die Soldaten im Wasser, so ist gleichfalls die Pegelhöhe limitiert. Aus einer Vielzahl an Informationen können so Pegel und Querschnitt bestimmt werden, womit eine Näherung für den Abfluss zum damaligen Zeitpunkt bestimmt werden kann.

    Systematische Pegeldaten bilden nur einen Teil ab

    Meinung. Der Fortschritt in der systematischen Erfassung von Pegelständen und Abflüssen führt dazu, dass heute eine beachtliche Menge an Daten zur Verfügung steht. So werden die Pegelstände am Rhein heutzutage in der Regel in 15-Minuten-Intervallen erfasst. Jedoch gibt es ein Manko: der Mensch tendiert dazu die Gesamtheit der Daten als Grundlage für Modelle und Berechnungen sowie Risikoabschätzungen zu nutzen. Schnell lässt man außer Acht oder kommuniziert nicht vollständig, dass es auch in der Zeit vor der systematischen Erfassung Hochwasser gab – nur sind diese nicht so genau beschrieben oder in kurzen Intervallen erhoben, so dass man die üblichen Kennlinien erstellen könnte.

    In heutigen Pegelkennlinien des Rheins (beispielsweise auf hochwasser.rlp.de) findet man das Hochwasser von 1784 nicht. Bei den Pegelkennlinien der Ahr wird das Hochwasser von 1804 nicht genannt. Das mag sich technisch begründen lassen, weil nur aus den systematischen Daten die Maxima besonders erwähnt werden und dies einfach umsetzbar ist. Für ein vollständiges Bild sind diese historischen Informationen jedoch essenziell. Dass sich Naturereignisse in ähnlicher Weise mit vergleichbaren Wassermengen wiederholen können hat sich im Ahrtal leider erschreckend deutlich gezeigt. Erlaubt man die Besiedelung der Gebiete obliegt der Gesellschaft eine besondere Aufgabe für die Sicherheit der Menschen zu sorgen und wiederkehrend (sich) über die Gefahren zu informieren, um dem Vergessen entgegen zu wirken.

    Danksagung

    An dieser Stelle möchte sich Beuel.net ausdrücklich bei den Vortragenden. Prof. Herget ist äußerst engagiert auch auf technische Rückfragen etwa zur Gerinnehydraulik eingegangen. Die Ergebnisse der Berechnungen werden wir beizeiten hier auf Beuel.net veröffentlichen. Herrn Spatas Engagement zur Aufrechterhaltung der Erinnerung an das Eishochwasser in Beuel begrüßen wir. Noch in diesem Sommer ist das Anbringen einer weiteren Hochwassermarke geplant.

    Quellen: Inhalte des Vortrags wie oben erwähnt, Gespräche mit Referenten im Anschluss an die Veranstaltung

  • Vorübergehender Fehler in der Messung des Bonner Rheinpegels 19.11.2025

    Vorübergehender Fehler in der Messung des Bonner Rheinpegels 19.11.2025

    Da wir den Pegel des Rheins ständig im Auge haben und kontinuierlich monitoren, kam es heute zu einer Alarmierung. Das WSA Rhein meldete ab 14:15 Uhr extreme Pegelwerte für den Rhein in Bonn. Wir nehmen jede Meldung erstmal ernst, konnten uns jedoch schnell Rückversicherung, dass Bonn und Beuel doch noch nicht unter Wasser standen. Es wurden Pegel bis zu 44,30m gemeldet, wo kurz vorher noch 2,16m gemessen wurden:

    Mittwoch 14:00 Uhr 216 cm
    Mittwoch 14:15 Uhr 4.430 cm
    Mittwoch 14:30 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 14:45 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 15:00 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 15:15 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 15:30 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 15:45 Uhr 3.333 cm
    Mittwoch 16:00 Uhr 2.665 cm
    Mittwoch 16:15 Uhr 215 cm

    Kurz nachdem wir eine Entsprechenden Hinweis und Rückfrage an die WSA Rhein gesendet hatten, war das Problem wieder aus der Welt. Ob das kausal war und welche Ursache es dafür gab ist uns noch nicht bekannt.

    Spannend in diesem Zusammenhang ist, dass sich der Fehler in die angeschlossenen Systeme unverändert propagiert. Dies passt zu unserer Auffassung, dass alle die Daten von der selben Pegelmesseinrichtung am Ufer in Bonn beziehen.

    Das WSA gibt immer und überall an, dass es sich um ungeprüfte Rohdaten handelt. Somit sind Abweichungen nichts sonderlich Überraschendes. Die Frage ist nur, ob alle Sekundärsysteme und Menschen die sich darüber informieren dies berücksichtigen und entsprechend reagieren. Wir wollen mit dem Bericht zum Bewusstsein beitragen.

    Wir werden in unserem System wieder die manuelle Prüfung vor Alarmierung einführen, die wir nach der relativen Stabilität der Messungen in der letzten Zeit deaktiviert hatten. Wie im letzten Bild zu sehen schlug auch unsere Pegelganglinie heftig aus.

    Zu der Zeit des Ausfalls lief unsere Backup-Lösung für den Pegel Bonn erfolgreich weiter. Dies ist eine Abschätzung anhand des Pegels Oberwinter und lieferte Näherungswerte die nur minimal abwichen. Besucher von Beuel.net wurden durch einen entsprechenden Hinweis darauf aufmerksam gemacht.

    Mehr zum Thema Hochwasser gibt es hier.

    In der Folge sind Screenshots der unterschiedlichen Pegelseiten zu finden, aufgenommen um 16:13 am 19. November 2025.

    Quelle: https://www.hochwasserportal.nrw/webpublic/index.html#/overview/Wasserstand/station/1390502/WSV_Bonn/Wasserstand?period=P1D
    Quelle: https://www.hochwasser.rlp.de/flussgebiet/mittelrhein/bonn
    Quelle: https://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=2710080
    Quelle: https://www.pegelonline.wsv.de/ REST API für Bonn

    Update um 21:00 Uhr, 19. November 2025
    LANUK hat den Fehler offensichtlich detektiert und alle Werte ab 13:30 aus der Ansicht genommen. In der pegelonline API sind sie indes weiterhin zu finden, was für eine eigene Lösung des LANUK spricht.

    Quelle: https://www.hochwasserportal.nrw/webpublic/index.html#/overview/Wasserstand/station/1390502/WSV_Bonn/Wasserstand?period=P1D

    Die nächste Frage wird sein ob und wann die Werte korrigiert werden und ob diese von den Sekundärseiten entsprechend korrigiert werden oder persistieren.

  • Jahresübersichten des Rheinpegels Bonn Jahre 2025 – 2020, 1995, 1993

    Jahresübersichten des Rheinpegels Bonn Jahre 2025 – 2020, 1995, 1993

    Aus den gesammelten Daten haben wir begonnen Ganglinien für die letzten Jahre zu erstellen. Aufgetragen werden jeweils die Tageshöchstwerte soweit uns die Daten bis jetzt vorliegen. Hier also nun der Rheinpegel Bonn für das ganze Jahr.

    Jahr 2025:

    Rheinpegel Bonn Jahr 2025 bis 25.10.2025

    Jahr 2024:


    Jahr 2023:


    Jahr 2022:


    Jahr 2021:

    Sehr deutlich zu erkennen ist der Höchststand Ende Januar / Anfang Februar. Übrigens der höchste Pegelstand seit dem Bau der Hochwasserschutzmauer von 2006.


    Jahr 2020:


    blau = Bonn, orange = Promenade, rot = Schutzmauer. Alle Angaben ohne Gewähr. Quelle: Rohdaten laut WSV.

    Und zum Vergleich die beiden Jahre mit den Jahrhunderthochwassern.

    Jahr 1995:

    Deutlich zu sehen ist hier der extrem schnelle Anstieg des Pegels um 313 cm innerhalb von 24h Mitte Januar: die Kurve geht nahezu senkrecht nach oben.


    Jahr 1993:

  • Fragen zum Hochwasserschutz an die Stadt Bonn 2025

    Fragen zum Hochwasserschutz an die Stadt Bonn 2025

    Im Januar 2025 haben wir bereits eine offizielle Anfrage im Sinne eines Auskunftsbegehren an die Stadt Bonn zum Thema Hochwasserschutz gesendet. Eine Antwort erhielten wir am 12.09.2025 auf Rückfrage zum Stand der Dinge. Dies sind die Fragen bzw. die Antworten laut des Bescheides, so dass manch einer vielleicht nicht selbst nachfragen muss.

    1. Hochwasserschutzkonzept der Stadt Bonn:
      Das „Hochwasserschutzkonzept zum Rhein von 1997“ finden Sie unter:
      https://www.bonn.de/medien-global/amt-66/Hochwasserschutzkon-
      zept_Bonn.pdf. Eine textliche Aktualisierung befindet sich in Bearbeitung.
    2. Welche Pegeldaten sind für die Entscheidungen der Stadt Bonn und die daraus abgeleiteten Maßnahmen bindend?
      Für den Aufbau mobiler Hochwasserschutzmaßnahmen ist die Geländehöhe maßgeblich und bei welchem Rheinwasserstand diese überflutet wird. Die Wasserstandshöhen werden in m Bonner Pegel (BP) angegeben. Der 0,00 m Bonner Pegel (BP) liegt bei 42,713 m NHN (siehe auch ELWIS https://www.elwis.de/DE/dynamisch/Wasserstaende/Pegeleinzeln:BONN).
    3. Wie werden diese Pegeldaten erhoben?
      Die Pegeldaten werden durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) im Bonner Pegelhäuschen am Brassertufer unterhalb der Bonner Oper erhoben. Die Pegeldaten werden online über das Portal ELWIS (https://www.elwis.de/DE/dynamisch/Wasserstaende/Pegeleinzeln:BONN) des
      WSV oder über die Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz
      (https://www.hochwasser.rlp.de/flussgebiet/mittelrhein/bonn) zur Verfügung gestellt und sind jederzeit öffentlich einsehbar.
    4. Wie werden diese auf Korrektheit geprüft (Vergleiche Messfehler von 2021)
      Die Auswertung und Verifizierung der Rheinpegeldaten obliegt dem WSV. Für detaillierte Informationen zu den Berechnungsverfahren bitte ich Sie daher, sich direkt an die WSV zu wenden (xxxxxxx@xxxxxxxx.xxxx).
    5. Welche konkreten Maßnahmen werden zu welchem Pegel ergriffen? So etwa Schutzmaßnahmen wie etwa Sperren von Wegen, Schutztore, Einstellung städtischer Dienstleistungen etc.
      Der Schutz des Kanalnetzes vor Rheinhochwasser beginnt ab einem Bonner Pegel von 5 m. Die Rheinuferpromenade in Beuel wird stellenweise ab einem Bonner Pegel von 7 m überflutet und mit steigendem Pegel stufenweise gesperrt.
      Der Hochwasserschutz am Rheinufer ist auf ein Schutzziel von 9,50 m BP ausgelegt, entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen beginnen ab einer Pegelprognose von 8,00 m BP. Geht die Hochwasservorhersage in diesen Pegelbereich, werden die Durchgänge am Rheinufer geschlossen. Sollte der Hochwasserpegel von 9,50 m BP mit einer Prognose von >10 m BP überschritten werden, wird eine zweite Verteidigungslinie in der Hermannstrasse und der Prof.-Neu-Allee, in Verlängerung des Deiches, errichtet. Weitere Informationen zum Hochwasserschutz
      finden Sie auf unseren Internetseiten zum Thema Hochwasser unter:
      https://www.bonn.de/Hochwasser
    6. Wann erfolgen Evakuierung, für welche Straßenabschnitte, durch wen, mit welchem zeitlichen Vorlauf?
      Anhand der für Bonn verfügbaren Pegelprognosen wird im städtischen Krisenstab bzw. der Einsatzleitung die Lage bewertet und schnellstmöglich entschieden, für welche Bereiche Evakuierungsmaßnahmen erforderlich werden, damit eine frühestmögliche Information der Bewohnerinnen und Bewohner von betroffenen Bereichen erfolgen kann. Die Prognosen ermöglichen für die Umsetzung der Evakuierung voraussichtlich einen Vorlauf von ein bis zwei Tagen.
    7. Wie wird die Sicherung des Gebiets während der Evakuierung sichergestellt?
      Evakuierte Bereiche werden, wie auch bei Evakuierungen im Rahmen von Kampfmittelfunden, durch erhöhte Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes sowie der Polizei gesichert.
    8. Wann erfolgt die Aufhebung der Evakuierung
      Die Aufhebung der Evakuierung erfolgt, wenn die hochwasserbedingte Gefährdung der Bewohnerinnen und Bewohner ausgeschlossen werden kann. Dies hängt primär vom Abfluss des Wassers ab.

    Die Inhalte wurden per Copy und Paste dem Bescheid entnommen. Trotzdem können wir keine Gewähr oder Haftung für die Inhalte übernehmen. Namen oder Personen bezogene Informationen wurden geschwärzt oder ausgelassen.

    Zu Punkt 1) haben wir nun eine Rückfrage gestellt, wann mit einer Fertigstellung des Berichtes / Konzeptes zu rechnen ist.

  • Stegebau bei Hochwasser ist Vergangenheit

    Stegebau bei Hochwasser ist Vergangenheit

    Bei Hochwasser wurde von der Stadt Bonn respektive dem THW bei anstehenden Überflutungen Stege auf den Bürgersteigen in rheinnahen Bereichen des Beueler Stadtbezirks errichtet. Diese bestanden im Wesentlichen aus Gerüsten, wie sie auch von Baustellen an Hausfassaden bekannt sind.

    Ziel war es damit Anwohnern und Rettungskräften einen Zugang zu Ihren Häusern auch bei Hochwasser zu ermöglichen. Um die Straßen für Boote freizuhalten wurden keine Brücken zu den gegenüberliegenden Straßenseiten errichtet. Das Übersetzen erfolgte dann durch Pendelverkehr von Booten der Hilfsorganisationen. Den letzten Meter bis zur Haustür mussten die Eigentümer selbst bereitstellen. Bis heute haben die Häuser häufig in der ersten Etage eine weitere Eingangstür, die genutzt wurde wenn das Erdgeschoss bereits unter Wasser stand. Touristen sind immer wieder erstaunt wenn sie beispielsweise durch die Rheinaustraße gehen ob dieser baulichen Besonderheit.

    Bis vor einigen Jahren fanden sich dazu zahlreiche Informationen im Web-Angebot der Stadt Bonn, mit detaillierten Karten über die Verläufe der Stege.

    Wie wir feststellten waren diese nach der Aktualisierung der Webseite, spätestens jedoch im Jahr 2021 nicht mehr auffindbar. In einer Pressemitteilung wurde dann im Oktober 2023 die Bevölkerung darüber informiert [GA], dass der Stegebau nicht mehr erfolgen wird. Stattdessen soll es Evakuierungen der betroffenen Gebiete geben.

  • Bonner Pegel und seine Messung

    Bonner Pegel und seine Messung

    Der Bonner Pegel wird im Pegelhaus am Brassertufer (map) im Rahmen der Zuständigkeit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein (WSA Rhein) kontinuierlich automatisiert gemessen. Die Daten dieser Messung stellt die WSV auf ihrer Webseite direkt zur Verfügung über die Portale:

    • Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS)
    • Pegelonline (tagesaktuelle Rohwerte unterschiedlicher gewässerkundlicher Parameter)

    Interessant zu wissen: die anderen Portale wie etwa pegel.bonn.de oder die Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz (hochwasser.rlp.de) beziehen ihre Daten für Bonn alle von der WSV und damit von derselben Pegelmesseinrichtung im Pegelhaus Bonn. Das wird insbesondere dann deutlich wenn Messfehler auftreten. Dann kann man beobachten wie diese in die nachfolgenden Systeme propagiert werden.

    Neben der komfortablen digitalen Messung finden sich im Stadtgebiet auch „klassische“ Pegellatten mit aufgedruckten Markierungen der Höhe. So zum Beispiel:

    • am Brassertufer direkt am Pegelhaus, GPS: 50.73629, 7.10795 (map)
    • in der Verlängerung der Josefstraße im Bereich des Anlegers der Feuerwehr unterhalb des Dorint Hotels, GPS: 50.73869, 7.10727 (map)
    • in Beuel an der Südseite der Schutzwand an der Rheinlust, GPS: 50.73800, 7.11371 (erst ab höheren Pegeln) (map)
    • in Beuel der oben beschriebene Beueler Bürgerpegel am Nepomuk-Platz, GPS: 50.73327, 7.11520 (erst ab 730 cm) (map)

    Zeitweise wurde von der Uni-Bonn im Rahmen eines Projektes der Pegel mit einem Satelliten gestützten Verfahren für Bonn gemessen [UB1]. Diese Messeinrichtung ist derzeit jedoch leider nicht mehr in Betrieb, was auf den Neubau der Anlegeranlage zurückzuführen ist.

    Im Rahmen des Hochwassers am 05.01.2024 wurde eine stichprobenartige Vergleichsmessung durchgeführt. Dazu wurden alle drei zu diesem Zeitpunkt aktiven Pegellatten innerhalb von 10 Minuten abgelesen. Dies sind die Ergebnisse dieser Stichprobe:

    Abbildung der drei Pegellatten, Beueler Bürgerpegel, Feuerwehr Bonn, Pegelhaus Bonn, vom 05.01.2024 zwischen 10:19 und 10:29.

    PegellatteUhrzeitWert [cm]
    Beueler Bürgerpegel10:19750
    Feuerwehr Bonn10:27766
    Pegelhaus Brassertufer10:29763
    pegelonline / WSV10:15761
    pegelonline / WSV10:30762

    Die Stichprobe wirft Fragen auf, die es in Zukunft zu klären gilt. Nach unserem Verständnis sollten alle Pegelwerte im Rahmen der Messungenauigkeit gleich sein.

    Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte beachtet immer die offiziellen Kanäle, zu denen dieser hier nicht zählt.

  • Pegelschnitt als Bild

    Pegelschnitt als Bild

    für den aktuellen Rheinpegel sehen die Auswirkungen in etwa wie folgt aus:

  • Pegelstände und ihre Auswirkungen

    Pegelstände und ihre Auswirkungen

    Bei steigendem Pegel ist mit Überflutungen zu rechnen. Die folgende Tabelle gibt eine kleine Übersicht dazu für den Bereich Beuel-Mitte:

    Pegel in cmAuswirkung
    950Überflutung des Hochwasserdamms. Schlagartig wird das Wasser die Rheinaustraße in Beuel-Mitte überfluten und sofort 130 cm über der Fahrbahn stehen. Akute Lebensgefahr!
    850Fuße der Dammtore erreicht. Diese werden nur bei Bedarf vom THW eingesetzt und vervollständigen die Mauer. In der schematischen Darstellung sind sie rot markiert.
    820Ohne den Damm von 2006 wäre die Rheinaustraße nun bereits überflutet. Grundwasser beobachten!
    760*Hochwassermarke 2 – Schiffsverkehr eingestellt
    700Promenade wird überspült. Hans-Steger-Ufer und Nepomuk-Platz.
    570*Hochwassermarke 1 – Schiffsverkehr verlangsamt

    Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte beachtet immer die offiziellen Kanäle, zu denen dieser hier nicht zählt. Info * die Bestimmung der Hochwassermarken 1 und 2 für Bonn erfolgt anhand des Pegels in Oberwinter. Die Pegelwerte sind näherungsweise übersetzte Werte.

  • Rheinpegel Bonn

    Rheinpegel Bonn

    Der aktuelle Rheinpegel für Bonn beträgt 91 cm.

    Vor einer Stunde 92 cm (seitdem -1 cm)
    vor    24 Stunden 96 cm (seitdem -5 cm)

    Laut unserem Modell B2.1 (𝐸 = 93 cm) ist der aktuelle Wert plausibel

    Pegelqualität und -kontinuität: Wir monitoren permanent die Pegeldaten der WSV. Sie werden in aller Regel also in mehr als 99% der Fälle innerhalb von 5 Minuten nach Messzeitpunkt bereitgestellt. Das ist ein solides Ergebnis. Nur sehr vereinzelt kommt es zu Verzögerungen.

  • Wie schnell kann der Rhein steigen?

    Eine Frage, die die Maßgaben des vorausschauenden Handelns massiv beeinflusst ist die Frage, wie schnell der Rhein steigen kann. So manches mal ging man am Rhein spazieren und war überrascht ob der Höhe des Pegels im Vergleich zum Vortag. Für diese Betrachtung nutzen wir die Pegeldaten der WSV von 1990 bis 2024 und betrachten die Veränderungen des Bonner Pegels innerhalb von 24h, also eines Tages.

    Größter Pegelsprung innerhalb eines Tages: +313 cm !

    Dort findet sich ein klarer Spitzenreiter: am 23. Januar 1995 befand sich um Mitternacht der Pegel wie in den Tagen zuvor auch in einem Bereich von unter 400 cm, also im gewöhnlichen Bereich ohne Überflutungen. Beginnend in der Nacht stieg er dann rapide an und sprang von 383 cm auf 696 cm. Das entspricht einer Steigerung um 313 cm innerhalb von 24 Stunden. Im Schnitt bedeutet das eine Steigrate von rund 13 cm pro Stunde.

    Die folgende Grafik veranschaulicht dies mit 7 Tagen Vor- und Nachlauf:

    In den Folgetagen pendelte der Pegel kurz im Bereich knapp unter 800 cm. Schlussendlich stieg er jedoch weiter und es folgte das Jahrhunderthochwasser von 1995 mit einem Höchststand von 1006 cm .

    Festzuhalten ist, dass die Dynamik des Rheinpegels nicht zu unterschätzen ist. Im Zweifel kann sehr schnelles Handeln erforderlich sein.

    Fortsetzung folgt …