Kategorie: rhein

  • Niedrigwasser: Bonner Rheinpegel sinkt weiter – Rohwert (59 cm) unter dem bisherigen Minimum

    Niedrigwasser: Bonner Rheinpegel sinkt weiter – Rohwert (59 cm) unter dem bisherigen Minimum

    Update 27.09.2026 12:00: Laut der Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde vom 27.09.2026 07:00 Uhr wird der Bonner Rheinpegel noch weiter sinken. Aktuell belaufen sich die Rohwerte auf 59 cm.

    Die anhaltende Trockenheit führt zu neuerlichen extrem niedrigen Einzelwerten. Am Freitag 25.09.2026 erreichten die Einzelwerte 62 cm. Bereits im August hatte die WSV für den Bonner Pegel diesen Wert von 17.08.26 09:15 bis 18.08.26 09:00 gemeldet.

    Die abschließende Beurteilung und Bestätigung der aktuellen Rohwerte durch die WSV steht noch aus. Das Ausmaß des Pegels an den Ufern deutlich zu sehen. Die Anleger für die Ruderboote am Blauen Affen liegen schon lange auf Grund.

    Einen Eindruck als Video vom 19. September 2026 kann hier betrachtet werden: https://www.instagram.com/beuel_net/reel/Ddcc92ItNLf/

  • Mehr als 200 Kilometer im Wasser: Nathalie Pohl schwimmt am Freitag an Beuel vorbei

    Mehr als 200 Kilometer im Wasser: Nathalie Pohl schwimmt am Freitag an Beuel vorbei

    Update 14.08.: Nathalie ist um 09:36 in Bad Honnef gestartet und kommt gut voran. Damit dürfte sie schon früher als 11:30 in Beuel sein. Nach unserer linearen Prognose 11:11 am Flaggenmast Beuel.

    Nathalie Pohl um 11:12 vor ihrem Begleitboot auf Höhe der zweiten Fährgasse in Bonn, fotografiert vom Rheinufer unterhalb des Beueler Flaggenmastes.

    Beuel. Wer am Freitagvormittag am Beueler Rheinufer unterwegs ist, könnte eine außergewöhnliche Extremsportlerin auf dem Rhein entdecken: Nathalie Pohl schwimmt derzeit im Rahmen ihrer „RIVERS: Frankfurt to Cologne“-Challenge von Frankfurt nach Köln. Mehr als 200 Kilometer legt die 31-Jährige dabei in mehreren Tagesetappen auf Main und Rhein zurück.

    Am Freitagmorgen 14. August 2026 startet Pohl in Bad Honnef zu ihrer letzten Etappe in Richtung Köln. Nach aktueller Hochrechnung ihres Teams wird sie gegen 11.30 Uhr an Beuel vorbeischwimmen. Ihre aktuelle Position lässt sich über ein Live-Tracking verfolgen.

    Damit führt eine außergewöhnliche sportliche Herausforderung direkt an unserer Haustür vorbei.

    Foto: Pressefoto / Team Nathalie Pohl
    Foto: Pressefoto / Team Nathalie Pohl

    Von Frankfurt über Main und Rhein nach Köln

    Gestartet ist Pohl am Dienstag, 11. August, gegen 6 Uhr am Holbeinsteg in Frankfurt. Von dort führt die Strecke durch den Main und anschließend über den Rhein in Richtung Köln. Als weitere Punkte der Route nennt ihr Team das Rhein-Nahe-Eck in Bingen und das Deutsche Eck in Koblenz. Ziel ist das Deutsche Sport & Olympia Museum in Köln. Dort ist für den Nachmittag des 14. August eine Spendenübergabe geplant.

    Auf ihrer Internetseite gibt Pohl die Distanz der „RIVERS – Frankfurt to Cologne“-Challenge mit 200 Kilometern und den Zeitraum mit 11. bis 14. August 2026 an.

    Am Freitag folgt nun die für Beuel besonders interessante letzte Etappe: Am Morgen soll Pohl in Bad Honnef starten und anschließend rheinabwärts in Richtung Bonn und Köln schwimmen. Für Beuel rechnet ihr Team derzeit mit einer Passage gegen 11.30 Uhr.

    Da es sich um eine Hochrechnung handelt, kann sich diese Uhrzeit im tatsächlichen Verlauf der Etappe noch verschieben. Wer Pohl am Rhein sehen möchte, kann deshalb kurz vorher einen Blick auf das Live-Tracking werfen.

    Hinter der sportlichen Leistung steckt eine Botschaft

    Bei der Challenge geht es Pohl nicht allein um die sportliche Herausforderung. Mit der Aktion möchte sie auf die Schwimmsicherheit von Kindern aufmerksam machen.

    Nach Angaben ihres Teams setzt sich die Extremschwimmerin als Gründungsmitglied des gemeinnützigen Vereins „DVAG hilft e. V.“ seit Jahren für die Schwimmförderung von Kindern ein. Die im Rahmen der Aktion gesammelten Spenden sollen erneut in Schwimmprojekte für Kinder fließen – insbesondere dort, wo Familien keinen einfachen Zugang zu Schwimmkursen haben. Informationen zu Spendenmöglichkeit gibt es hier: https://dvag-hilft.org/frankfurt-cologne

    Damit verbindet die Tour eine außergewöhnliche sportliche Leistung mit einem ernsten Thema.

    Eine Extremschwimmerin mit viel Erfahrung

    Pohl geht diese Herausforderung nicht unvorbereitet an. In der Pressemitteilung zur Challenge wird sie als mehrfache Weltrekordhalterin und eine der erfolgreichsten Freiwasserschwimmerinnen der Welt bezeichnet.

    Doch auch für eine derart erfahrene Athletin ist eine Strecke auf Main und Rhein etwas Besonderes. Das Team spricht von einer neuen Dimension der Herausforderung. Neben der körperlichen Belastung spielt die Logistik eine erhebliche Rolle.

    Für das Schwimmen seien unter anderem besondere Genehmigungen, Wasser- und Strömungsberechnungen sowie die Einbindung von Schiffsverkehr und Schleusen erforderlich. Hinter der Aktion steht deshalb ein erfahrenes Team mit einem entsprechenden Sicherheitskonzept.

    Schwimmen im Rhein ist kein Freizeittipp

    So spektakulär die Bilder von Pohl im Rhein sein mögen: Ihre Tour ist ausdrücklich keine Einladung zum Nachmachen.

    Auch ihr eigenes Team weist auf die Gefahren von Fließgewässern hin. Starke Strömungen und Wirbel können unter der Wasseroberfläche kaum erkennbar sein. Selbst für geübte Schwimmerinnen und Schwimmer kann ein Fluss wie der Rhein lebensgefährlich werden.

    Pohls Leistung findet unter ganz anderen Voraussetzungen statt als ein spontaner Sprung in den Rhein: Die Strecke wurde vorbereitet, es gibt ein Sicherheitskonzept und ein erfahrenes Team begleitet die Aktion.

    Das sollte auch für Zuschauer am Beueler Rheinufer klar sein: Zuschauen ja – nachmachen nein.

    Am Freitag wird Beuel zum Logenplatz

    Für uns in Beuel bekommt die mehr als 200 Kilometer lange Tour am Freitag ihren besonderen lokalen Moment.

    Pohl startet am Morgen in Bad Honnef und schwimmt anschließend rheinabwärts. Nach der derzeitigen Berechnung ihres Teams soll sie gegen 11.30 Uhr Beuel passieren.

    Wer die Extremschwimmerin vom Ufer aus sehen möchte, sollte sich nicht ausschließlich auf diese Uhrzeit verlassen. Über die offizielle Tracking-Seite kann die aktuelle Position verfolgt werden:

    https://www.nathaliepohl.de/track/

    So wird aus einer mehrtägigen Extremsport-Challenge zwischen Frankfurt und Köln für kurze Zeit auch ein Ereignis direkt vor unserer Haustür.

    Und vielleicht lohnt sich am Freitagvormittag ein Blick auf den Rhein ganz besonders.

    Wer nicht vor Ort dabei sein kann: der tägliche Live-Stream von Bild.de ist unter dem folgenden Link erreichbar:
    https://www.bild.de/sport/mehr-sport/nathalie-pohl-is…

    Quellen

    • Nathalie Pohl, Pressemeldung vom 10. August 2026: „Extremschwimmerin startet Flusschallenge zugunsten der Schwimmsicherheit – Nathalie Pohl schwimmt ab morgen mehr als 200 Kilometer von Frankfurt nach Köln“
    • Presseauskunft des Teams von Nathalie Pohl an Beuel.net vom 12. August 2026: Start der Freitags-Etappe am Morgen in Bad Honnef; Passage von Beuel nach aktueller Hochrechnung gegen 11.30 Uhr.
    • Nathalie Pohl: Offizielles Live-Tracking „RIVERS – Frankfurt to Cologne“
      https://www.nathaliepohl.de/track/

  • Neue Hochwassermarke erinnert am Mehlemschen Haus an die Katastrophe von 1784

    Neue Hochwassermarke erinnert am Mehlemschen Haus an die Katastrophe von 1784

    Beuel. Eine neue Hochwassermarke erinnert jetzt auch am Mehlemschen Haus in der Rheinaustraße an das verheerende Eishochwasser von 1784. Die Marke ist bereits am Gebäude angebracht worden. Eine begleitende Veranstaltung wird nach Angaben des Denkmal- und Geschichtsvereins dazu Anfang kommenden Jahres stattfinden.

    Damit kommt eine weitere sichtbare Erinnerung an die schwerste Hochwasserkatastrophe in der Geschichte Beuels hinzu. Das Eishochwasser von 1784 gehört zu den extremsten Ereignissen in der Geschichte des Bonner Pegels. Für das Ereignis wird ein Wasserstand von 14,23 Metern in Beuel bezogen auf den heutigen Bonner Pegel angegeben.

    Während die Marke an das Hochwasser erinnert, zeigt der Rhein gerade sein anderes Extrem

    Der Zeitpunkt für die neue Hochwassermarke ist bemerkenswert: Während sie an die gewaltige Wassermenge von 1784 erinnert, führt der Rhein in diesen Tagen vor Augen, wie unterschiedlich sich ein Fluss präsentieren kann.

    Am 7. August meldete Beuel.net unter Berufung auf die Rohdaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) für den Bonner Pegel einen Wasserstand von 74 Zentimetern. Damit wurden dort die niedrigsten Werte seit 1927 erreicht. Die WSV-Werte sind zunächst ungeprüfte Rohdaten und können nachträglich korrigiert werden.

    So liegen am Mehlemschen Haus gewissermaßen zwei Extreme des Rheins gedanklich nur wenige Schritte auseinander: Die neue Marke macht sichtbar, wie hoch das Wasser einst stand. Der heutige Blick auf den Fluss zeigt dagegen, wie weit der Rhein bei Niedrigwasser zurückweichen kann.

    Ein Haus mit eigener Hochwassergeschichte

    Das Mehlemsche Haus an der Rheinaustraße 131 gehört selbst zu den historischen Gebäuden, die eng mit der Geschichte des Beueler Rheinufers verbunden sind. Wann genau das heutige Mehlemsche Haus errichtet wurde, ist nicht abschließend geklärt. Der Denkmal- und Geschichtsverein nennt auf seiner Projektseite zwei überlieferte Auffassungen: Danach könnte Johannes Paul Mehlem den heutigen Bau vermutlich 1785 nach dem Hochwasser von 1784 errichtet haben. Nach einer anderen Auffassung entstand das Wohnhaus bereits zwischen 1750 und 1770 und überstand die Katastrophe. Ein Vereinsflugblatt von 2016 vertritt ausdrücklich diese ältere Datierung und ordnet die Jahreszahl 1785 am Torbogen dem Wiederaufbau der Wirtschaftsgebäude zu.

    Update 8. Oktober 2026: Der aktuelle Forschungsstand des Denkmalvereins sieht zwischenzeitlich die zweite These als bestätigt an: „Mit dem Auffinden der Grabplatte der Familie Mehlem […] auf dem das (bis dato unbekannte) Todesdatum J. P. Mehlems vermerkt ist, nämlich 1782, ist das Datum 1785 obsolet.“ Das deckt sich auch mit der These, dass das Mehlemsche Haus die Hochwasserkatastrophe von 1784 überstanden hat, denn es wurde aus Stein / Ziegel errichtet – im Gegensatz zu den umgebenden Fachwerkhäusern. Die Grabplatte wurde erst nach den Forschungstätigkeiten zur ersten These entdeckt.

    Fest steht, dass das Haus mit dem Fährmeister Johannes Paul Mehlem verbunden ist. Die Familie Mehlem betrieb an der damaligen Combahn die Rheinfähre, die als Gierponte bekannt war. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz und wird von der städtischen Musikschule genutzt.

    Der Denkmal- und Geschichtsverein hat sich seit seiner Gründung 1975 besonders für die Erhaltung des Gebäudes eingesetzt. Die Rettung und Wiederherstellung des vom Abriss bedrohten Mehlemschen Hauses war der Anlass für die Gründung des Vereins.

    Erinnerung an das „Jahrtausend-Hochwasser“

    Die neue Marke am Mehlemschen Haus ist Teil einer Reihe von Erinnerungszeichen, mit denen in Beuel an das Ereignis von 1784 erinnert wird. Bereits an anderen historischen Gebäuden im Stadtbezirk befinden sich entsprechende Hochwassermarken. Genannt werden unter anderem das Fachwerkhaus des Heimatmuseums, die Kirche St. Josef, das Pfarrhaus der Doppelkirche in Schwarzrheindorf sowie das Bürgermeister-Stroof-Haus.

    Eine von Manfred Spata verfasste Publikation trägt den Titel „Das Jahrtausend-Hochwasser von 1784 in Bonn und Beuel. Beueler Hochwassermarken als Erinnerung an die Eiskatastrophe“. Die Publikation ist inzwischen in einer Neuauflage erhältlich. Nach Angaben Spatas liegt die neue Auflage seit Juni 2026 vor und ist im Bürgermeister-Stroof-Haus erhältlich.

    Die ursprünglich geplante Veranstaltung rund um die neue Marke am Mehlemschen Haus findet allerdings nicht wie zunächst vorgesehen statt. Wegen Veränderungen im Verein wurde sie auf den Anfang des kommenden Jahres verschoben.

    Die Marke selbst muss darauf nicht warten. Sie ist bereits angebracht – und erinnert damit dauerhaft an eine Zeit, in der der Rhein in Beuel nicht zu wenig, sondern gewaltig zu viel Wasser führte.

    Die Hochwassermarke von 1784 befindet sich an der rechten Ecke des Mehlemschen Hauses etwas oberhalb des Torbogens und knapp unter den Fenstern der ersten Etage.

    Quellen

    • E-Mail-Korrespondenz vom 5./6. August 2026 mit Manfred Spata, Georg Divossen sowie Mitteilung von Dr. Elisabeth Rolffs vom 6. August 2026. Daraus stammen insbesondere die Angaben zur bereits montierten Hochwassermarke, zur Verschiebung der Veranstaltung auf Anfang 2027 und zur Neuauflage der Publikation seit Juni 2026.
    • Webseite des Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e.V.
      https://www.denkmalverein-bonn.de/projekte_mehlemsches_haus
    • Update: E-Mail-Korrespondenz im Oktober 2026 mit Carl Jakob Bachem und Dr. Elisabeth Rolffs

  • Kampfmittelfund am Rheinufer – was das Niedrigwasser offenbart

    Kampfmittelfund am Rheinufer – was das Niedrigwasser offenbart

    Beuel. Das außergewöhnliche Niedrigwasser des Rheins bringt derzeit nicht nur ungewöhnlich große Uferflächen zum Vorschein. Am Dienstag musste am Beueler Rheinufer der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf anrücken. Gleich drei verdächtige Gegenstände waren im Bereich des Rheins zwischen China Schiff und Rheinnixe auf der Beueler Seite entdeckt worden. Das Ufer wurde deshalb über mehrere Stunden gesperrt. Auch die Promenade wurde vorübergehend gesperrt.

    Ausgangspunkt des Einsatzes war nach Angaben des Bonner Ordnungsamtes ein Fund im Rhein: Eine Person hatte dort ein Magazin mit Patronen entdeckt und daraufhin die Ordnungskräfte verständigt. Die Einsatzkräfte nahmen anschließend auch die benachbarten Bereiche genauer unter die Lupe. Dabei wurden zwei weitere verdächtige Gegenstände entdeckt.

    Nach der Untersuchung durch die Fachleute stellte sich heraus, dass es sich bei einem der Funde um ein Kampfmittel mit Phosphor handelte. Der zweite Fund war das bereits entdeckte Magazin mit Patronen. Beim dritten Gegenstand konnte dagegen Entwarnung gegeben werden: Das stark verrostete Objekt entpuppte sich als leere kleine Gasflasche mit Projektil ähnlicher Form.

    Für die Untersuchung und Beseitigung wurde der Kampfmittelbeseitigungsdienst hinzugezogen. Für Bonn ist der bei der Bezirksregierung Düsseldorf angesiedelte Kampfmittelbeseitigungsdienst zuständig. Er unterstützt die örtlichen Ordnungsbehörden in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln. Die Stadt Bonn weist ausdrücklich darauf hin, dass der Umgang mit Kampfmitteln ausschließlich dem Kampfmittelbeseitigungsdienst und von diesem beauftragten Räumfirmen gestattet ist.

    Nach Angaben des Ordnungsamtes wurde die Sperrung des betroffenen Uferbereichs gegen 16 Uhr eingerichtet. Erst gegen 21.30 Uhr war der Einsatz beendet. Unser Reporter war während des Einsatzes vor Ort.

    Niedrigwasser legt ungewöhnlich große Flächen frei

    Der Einsatz zeigt zugleich eine Begleiterscheinung des derzeit außergewöhnlichen Niedrigwassers. Bereiche des Flussbettes und der Uferzone, die normalerweise unter Wasser liegen, sind derzeit zugänglich.

    Historische Angaben verdeutlichen, wie außergewöhnlich die Situation ist. Beim extremen Niedrigwasser im Oktober 2018 wurden demnach 79 Zentimeter erreicht. Das derzeitige Niedrigwasser bewegt sich damit in einer Größenordnung, wie sie in Bonn seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erreicht worden ist.

    Gerade deshalb ist an den freigelegten Uferbereichen besondere Vorsicht angebracht. Was dort zum Vorschein kommt, muss nicht auf den ersten Blick als gefährlicher Gegenstand erkennbar sein. Der heutige Einsatz mit einem Munitionsmagazin, einem Kampfmittel mit Phosphor und einer zunächst nicht eindeutig identifizierbaren, stark verrosteten Gasflasche macht das sehr deutlich.

    Verdächtige Gegenstände nicht anfassen

    Wer am Rheinufer einen verdächtigen Gegenstand findet, sollte ihn nicht berühren, bewegen oder mitnehmen und Abstand halten.

    Die Stadt Bonn gibt für Kampfmittelfunde eine eindeutige Anweisung: Die Leitstelle des Stadtordnungsdienstes ist unverzüglich unter 0228 77 3333 zu informieren. Außerhalb der Dienstzeiten soll die Polizei unter 110 verständigt werden. Die Leitstelle des Ordnungsamtes nimmt Hinweise zur Gefahrenabwehr entgegen und ist montags bis freitags von 7 bis 1 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 1 Uhr erreichbar.

    Bei einer akuten Gefahr gilt der Notruf. Die Stadt Bonn nennt hierfür 110 für die Polizei und 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst.

    Das Niedrigwasser macht einen Spaziergang am Rhein derzeit besonders interessant. Dabei wird geraten normalerweise vom Wasser bedeckten Bereichen zu meiden. Zu groß ist die Gefahr mag das Naturschauspiel noch so spannend sein.

    Quellen

    Ergänzung

    Im gleichen Bereich wurde am Sonntag 16. August 2026 ein weiteres Kampfmittel gefunden. Im aktuellen Fall handelt es sich augenscheinlich um eine Tellermine.

  • Rhein-Pegel: aktuell niedrigste Werte seit 1927

    Rhein-Pegel: aktuell niedrigste Werte seit 1927

    Die anhaltenden Trockenheit treibt den Rhein-Pegel weiter in die Knie. Aktuell vermeldet die WSV für Bonn 74 cm (07. August 2026 06:45). Man muss wissen, dass es sich bei den Werten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) grundsätzlich um ungeprüfte Rohdaten handelt. Das bedeutet, eine nachträgliche Anpassung ist durchaus möglich. Vorbehaltlich dessen ist der Wert von 74 cm der niedrigste Wert der jüngeren Vergangenheit.

    Info-Block: Die einzige automatisierte Pegelmesseinrichtung in Bonn ist übrigens im Pegelhaus am Brassertufer untergebracht. Die dort ermittelten Werte werden an die Server der WSV übermittelt. Über pegelonline werden sie anschließend zahlreichen weiteren Portalen zur Verfügung gestellt. Darunter auch pegel.bonn.de und hochwasser.rlp.de – und auch Beuel.net. Die Folge: auch wenn ein Wert auf mehreren Seiten zu lesen ist, bedeutet es nicht, dass er „bestätigt“ sei. Der Ursprung ist schließlich der selbe ungeprüfte Rohwert.

    Im Jahr 2018 sanken die Einzelwerte bis auf 79 cm ab. Maßgeblich für die Ermittlung eines historischen Niedrigwertes ist das Tagesmittel. Daher steht für 2018 auch nicht dieser Einzelwert sondern ein Wert von 81 cm vom 22.10.2028. Dieser Wert wird auch als NNW = niedrigster bekannter Wasserstand bezeichnet.

    Ob ein neuer niedrigster bekannter Wasserstand erreicht wurde kann erst nach der Analyse durch die WSV sicher gesagt werden. Die Anzeichen durch das Freilegen vieler sonst bedeckter Flächen des Grunds des Rheins deuten aktuell darauf hin.

    Übrigens gab es schon einen noch niedrigeren Wert: am 16. Februar 1927 sank der Pegel auf 67 cm (aus der damaligen Zeit ist nur ein Wert pro Tag überliefert). Dies ist jedoch auf Eisbildung zurückzuführen und hat daher nicht zur Aufnahme in die Pegelkenndaten geführt.

    Es bleibt zu hoffen, dass es bald im Süden und damit im Einzugsgebiet des Rheins wieder mehr regnet, so dass die Einschränkungen für die Schifffahrt gemildert werden. Bei einem Pegel von 74 cm verbleiben nur noch 182 cm Tiefe in der Fahrrinne. Ein Regelwert sind hingegen 250 cm.

    Quellen:
    – Presseanfrage an Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) vom 06.08.2026 und 29.07.2026
    – Presseanfrage an Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. vom 29.07.2026
    – pegelonline.wsv.de abgerufen 07.08.2026

  • Bilder vom Niedrigwasser des Rheins 2026

    Bilder vom Niedrigwasser des Rheins 2026

    Wie vielseitig der Rhein doch ist! Kaum vorstellbar, dass der Bonner Pegel des Rheins bei Hochwasser mehr als 9 Meter höher stehen kann als heute (beim Eishochwasser noch höher). Die Impressionen des Niedrigwassers sind beeindruckend. Hier eine Bildserie.

    Der Anleger der Rheinnixe liegt bereits auf Grund.


    Wer zum Wasser will muss am Beueler Strand – Costa del Beuel – weite Wege auf sich nehmen:


    Die Hoffnung, dass sich die kleine Insel „Isle of Beuel“ zwischen China-Schiff und Rheinnixe als neues Bauland eignen könne währte nur kurz. Kurz nach der Entdeckung wurde sie bereits von der heimischen Fauna eingenommen …


    Trockenen Fußes gelangt man auf die Rückseite der Rheinnixe. Ein völlig ungewohntes Bild:


    Auch am Stadtstrand – von manchen als Copacabeuel bezeichnet – ist deutlich mehr Land zu sehen. Im Hintergrund ruht die stillgelegte Nordbrücke.

  • Wie niedrig war der Rhein Pegel 2018?

    Wie niedrig war der Rhein Pegel 2018?

    Wie niedrig der Pegel des Rheins im Jahr 2018 war hängt wie immer bei einem messtechnischen Verfahren von der Stichprobe ab. In den Rohdaten finden sich Messungen für den Pegel Bonn, deren kleinste Werte bei 79 cm liegen. Dennoch wird als niedrigster Wert (NNW) 81 cm angegeben. Doch dafür gibt es eine einfache Erklärung, wie wir durch Nachfrage bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) erfahren konnten:

    Die NNW Werte werden aus den Tagesmittelwerten ermittelt. Daher können diese durchaus höher sein, als der in einer Zeitreihe von zehn Jahren ermittelte Momentan- bzw. Viertelstundenwert. Dies wird gemacht, um anthropogene Effekte aus den momentanen Minimalwerten zu minimieren.

    so Claudia Thoma, Pressesprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Zusätzlich enthalte das Pegelhandbuch – Leitfaden zur Hydrometrie des Bundes und der Länder – weitergehende Informationen.

    Durch die Mittelungen und den Einbezug mehrerer Messwerte soll also verhindert werden, dass einzelne Schwankungen des Pegels durch äußere Faktoren sich in der Gesamtbetrachtung niederschlagen.

    Was bedeutet das für die Bewertung der aktuellen Situation?

    Gemäß der Definition ist ein bloßes kurzzeitiges Unterschreiten von 81 cm am Pegel Bonn noch kein neuer Rekord. Vielmehr muss sich dieser Wert im Tagesmittel ergeben. Erst dann kann von einem neuen Rekord gesprochen werden.

    Beueler Platte

    Während noch abzuwarten bleibt wie sich der Pegel weiter entwickelt, treten immer mehr sonst verborgene Bereich zum Vorschein. Als „Beueler Platte“ wird ein Bereich nahe der Kennedybrücke bezeichnet. Dort kommt es immer wieder zu Ablagerungen. In der Tiefenkarte ist dieser Bereich deutlich zu erkennen. Die Untiefen sind mit den Farben orange bis rot markiert:

    Auszug aus der Tiefenkarte des Rhein im Bereich Bonn Kennedybrücke und Beueler Platte. Die Einzelbilder wurden zu einem durchgehenden Bild zusammengefügt. In der Mitte erkennt man die Kennedybrücke. Der Rhein fließt von links nach rechts. Das obere Ufer ist Bonn, das untere das von Beuel. Quelle: Tiefenkarte des Rhein / Herausgeber: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein / Ausgabe vom: 08.02.2021 / alle Angaben ohne Gewähr

    In der Darstellung lässt sich auch der Verlauf der Fahrrinne erkennen.

    Auch ohne Echolot kann man die Ausläufer dieser Platte nun im Rhein deutlich erkennen.

    Aufnahme von der Kennedybrücke auf das China Schiff. Im Hintergrund zeigen sich sonst verborgenen Bereiche des Flussbetts des Rheins. Pegelstand 84 cm, 30. Juli 2026
  • Niedrigwasser: Fahrrinne des Rheins bei Bonn

    Niedrigwasser: Fahrrinne des Rheins bei Bonn

    Titel-Bild: OpenSeaMap.org mit Kartendaten von OpenStreetMap Contributors, Fahrrinne hervorgehoben in Blau von Beuel.net

    Ergänzend zu dem gestern publizierten Artikel zum Niedrigwasser möchten wir heute auf die Details zur Berechnung der verbleibenden Tiefe der Fahrrinne eingehen.

    Ausgelöst wurde die Frage durch Zuschriften mit der Frage bis zu welchem Pegel bei Niedrigwasser Schiffe auf dem Rhein fahren können. In diesem Zusammenhang ist kürzlich auch ein Artikel beim General Anzeiger erschienen [GA externer Link]. Diesen möchten wir gerne ergänzen, da die Berechnung der Fahrrinne aus diesem nicht unmittelbar hervorgeht. Aus den im Artikel genannten Werten entsteht ein Widerspruch. Dies nehmen wir zum Anlass einer Detailbetrachtung.

    Wie tief ist der Rhein in der Fahrrinne?

    Die Fahrrinne ist der Teil eines Gewässer – hier des Rheins – in dem definierte Tiefen und Breiten als Sollwerte vorgehalten werden. Für die Fahrrinne gibt es definierte Solltiefen, also Mindesttiefen, die auf der gesamten Breite der Fahrrinne in diesem Abschnitt zur Verfügung stehen. Laut Definition der WSV:

    Die Fahrrinnentiefe ist die Solltiefe in der Fahrrinne bei gleichwertigem Wasserstand (GIW), die im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren für die Schifffahrt vorgehalten wird. [ELWIS externer Link]

    Diese Solltiefe ist nicht den ganzen Rhein entlang gleich sondern teilt sich in Abschnitte. Von Koblenz (Moselmündung) bis Krefeld und damit also auch in Bonn sind dies beispielsweise 250 cm Solltiefe.

    Die Fahrrinne liegt im Bereich Bonn-Innenstadt überwiegend auf der Bonner Rheinseite, da dort die Außenkurve des Flusses verläuft und die Strömung das Flussbett tiefer ausschürft. Jeder Fluss – auch als Gerinne bezeichnet – folgt dabei der Flussmorphologie. Die Fahrrinne wird aber bei Bedarf durch Baggerarbeiten unterhalten, um die erforderliche Fahrrinnentiefe für die Schifffahrt sicherzustellen.

    Nun kann dieser Wert bei niedrigen Pegel nicht garantiert werden. Dafür gibt es den gleichwertigen Wasserstand (GlW): Das ist der Wasserstand, der bei gleichwertigen niedrigen Abflüssen längs des Rheins auftritt. [ELWIS externer Link].
    Da jeder Pegelnullpunkt in jeder Stadt anders definiert ist gibt die WSV regelmäßig eine Tabelle mit den GlW-Werten heraus. [ELWIS externer Link].

    Für Bonn liegt dieser GlW seit 2022 bei 142 cm.

    Zusammengefasst: bei 142 cm Bonner Pegel läge die Fahrrinnentiefe bei 250 cm. Sinkt der Pegel weiter reduziert sich die verbleibende Fahrrinnentiefe entsprechend.

    Durch Ablagerungen können zusätzliche örtliche Fehltiefen auftreten.

    Verbleibende_Fahrrinnentiefe = Pegel − GlW + Solltiefe − Fehltiefe     (I)

    Setzen wir nun die Werte GlW = 142 cm und Solltiefe = 250 cm in (I) ein, so ergibt sich für Bonn:

    Verbleibende_Fahrrinnentiefe_Bonn = Pegel_Bonn + 108 cm − Fehltiefe     (II)

    Generell wird zur Berechneten verbleibenden Fahrrinnentiefe noch 20 – 30 cm Sicherheitsabstand subtrahiert:

    abzüglich 20-30 cm Sicherheitsabstand; je nach Schiffstyp/Ladung

    so Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.

    Schematische Darstellung der Fahrrinne des Rheins am Pegel Bonn
Beuel.net, eingetragen von oben nach unten GlW, Pegelnullpunkt und Solltiefe, Querschnitt durch Flussbett, an der tiefsten Stelle Fahrrinne markiert

    Für Bonn ergibt sich für den aktuell (29. Juli 2026 12:00) vorherrschenden Pegel von 84 cm eine verbleibende Fahrrinnentiefe von 192 cm ohne Berücksichtigung des Sicherheitsabstandes.

    Rein mathematisch läge die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 0 cm Bonner Pegel noch bei 108 cm.

    Bonner Pegelverbleibende Fahrrinnentiefe
    150 cm258 cm
    142 cm (GlW)250 cm
    100 cm208 cm
    0 cm108 cm
    Verbleibende Fahrrinnentiefe am Pegel Bonn gemäß GlW von 2022 ohne Berücksichtigung von Sicherheitsabständen. Alle Angaben ohne Gewähr. Beuel.net, 29. Juli 2026

    Fazit

    Um im Bereich Bonn auf dem Rhein fahren zu können muss der Tiefgang des Schiffes kleiner sein als der Bonner Pegel + 108 cm (plus Sicherheitsabstand).

    Alle Angaben nach bestem Wissen jedoch ohne Gewähr. Bitte verwenden Sie für die Schifffahrt nur die offiziellen Quellen direkt.

    Quellenangabe

    • https://www.elwis.de/DE/Binnenschifffahrt/Verkehrsinformationen/Rhein/Hinweis-Fahrrinne-GlW.pdf?__blob=publicationFile&v=4
    • https://www.elwis.de/DE/Service/Telematikanwendungen/Inland-ECDIS/Allgemeines/ARGO/Fahrrinnensituation/Fahrrinnensituation-node
    • Rückfrage bei Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.

    Anmerkung

    Eingangs sprachen wir den GA Artikel an, dieser hatte uns stutzig werden lassen, da in ihm ein Pegel von 95 cm und eine verbleibende Fahrrinnentiefe von 214 cm erwähnt werden. Rein mathematisch wäre dies nur bei einem hypothetischen GlW von 131 cm möglich, was nicht im Einklang mit der WSV stünde. Vermutlich erfolgte die Berechnung der 214 cm zu einem anderem Zeitpunkt mit einem anderen Pegelwert als den im GA Artikel aktuell genannten 95 cm. Der Vollständigkeit halber:
    – bei 106 cm Bonner Pegel wie am 13.07.2026 um 08:45 lag die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 214 cm
    – bei 95 cm Bonner Pegel wie am 15.07.2026 um 16:00 lag die verbleibende Fahrrinnentiefe bei 203 cm

  • Niedrigwasser im Rhein: Der Grund wird sichtbar – neuer Tiefstand möglich

    Niedrigwasser im Rhein: Der Grund wird sichtbar – neuer Tiefstand möglich

    Beuel – Der Rhein zeigt sich derzeit von einer ungewöhnlichen Seite: Im Bereich des Anlegers der Rheinnixe in Beuel tritt der Grund des Flusses deutlich sichtbar hervor. Die niedrigen Wasserstände lassen Kiesflächen und Uferbereiche erscheinen, die sonst vom Wasser bedeckt sind.

    Für Spaziergänger am Beueler Rheinufer ist das derzeit ein beeindruckender Anblick. Gleichzeitig sind sehr niedrige Wasserstände für die Schifffahrt eine Herausforderung, weil die verfügbare Wassertiefe in der Fahrrinne abnimmt.

    Am Pegel Bonn werden aktuell sehr niedrige Werte gemessen. Ein neuer Niedrigwasser-Rekord der vergangenen Jahre ist möglich. Besonders niedrige Wasserstände wurden in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrfach registriert:

    DatumUhrzeitWasserstand Pegel Bonn
    23. Oktober 201803:15 Uhr79 cm
    13. August 202218:30 Uhr86 cm

    Daten laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV)

    Der bisher niedrigste Wert dieser jüngeren Vergleichsreihe liegt damit bei 79 Zentimetern im Oktober 2018. Ob dieser Wert erreicht oder unterschritten wird, hängt von der weiteren Wetterentwicklung und den Zuflüssen im Rhein-Einzugsgebiet ab.

    Interessant ist dabei ein Blick auf die Geschichte der Rheinpegel: Der Nullpunkt des Bonner Pegels wurde zum 1. November 1979 um einen Meter nach unten verlegt. Ohne diese Anpassung würden heutige extreme Niedrigwasserstände auf der früheren Skala teilweise bereits mit negativen Pegelwerten dargestellt werden.

    Die Pegelanzeige darf jedoch nicht mit der tatsächlichen Tiefe des Rheins verwechselt werden. Der Pegelnullpunkt entspricht nicht der Flusssohle. Er ist so festgelegt, dass auch bei einem Wasserstand von null Zentimetern am Pegel in der Fahrrinne noch eine definierte Wassertiefe vorhanden ist. Die für die Schifffahrt entscheidende Fahrrinne liegt deshalb deutlich tiefer als der Pegelnullpunkt.

    Niedrigwasser ist am Rhein kein neues Phänomen. Der Wasserstand schwankt natürlicherweise mit Jahreszeit, Niederschlag und Zuflüssen. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass längere Trockenperioden zu außergewöhnlich niedrigen Pegelständen führen können.

    Für Beuel bleibt der Rhein auch bei Niedrigwasser ein besonderer Anziehungspunkt. Die ungewöhnlichen Einblicke in den Fluss machen vielen Menschen bewusst, wie stark sich der Charakter des Rheins je nach Wasserstand verändern kann.

    Meinung:
    Der Rhein gehört zu Beuel wie die Promenade, die Weiberfastnacht und die vielen Veranstaltungen am Ufer. Gerade solche besonderen Momente zeigen, wie eng die Menschen hier mit ihrem Fluss verbunden sind. Gleichzeitig erinnern extreme Wasserstände daran, wie wertvoll unsere natürlichen Lebensgrundlagen sind und wie wichtig es ist, mit ihnen verantwortungsvoll umzugehen.

    Aufnahme Beueler Rheinufer mit Blick auf die Rheinnixe, Oper Bonn und Kennedybrücke. Pegel Bonn bei 87 cm. 28. Juli 2026, Foto von Beuel.net

  • Vortrag: Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum bis 2026

    Vortrag: Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum bis 2026

    Vor 5 Jahren ereignete sich die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal und in vielen weiteren Teilen des Landes. Allein an der Ahr starben 135 Menschen. Ganze Orte wurden verwüstet. Die sonst so friedlich wirkenden Flüsse brachten in kurzer Zeit Not und Zerstörung. Wie außergewöhnlich war das Ereignis und was können wir für die Zukunft lernen? Den heutigen Tag nehmen wir zum Anlass, um den Opfern zu gedenken und um einen Rückblick auf einen Vortrag zu diesen Themen zu geben.

    Am 18. Juni 2026 fand der Vortrag „Historische Hochwasser im Köln-Bonner Raum“ in den Räumen der Volkshochschule (VHS) in der Bonner Innenstadt statt. Als Referenten sprachen Prof. Dr. Jürgen Herget vom Geographischen Institut der Universität Bonn und Dipl.-Ing. Manfred Spata. Das Credo: aus der Vergangenheit für heute und morgen lernen. Durch das Programm führte der stellvertretende Beueler Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer.

    Der Vortrag gliederte sich in drei Themenschwerpunkte, vom heute bis in die römische Vergangenheit:
    – Ahr-Hochwasser 2021 im historischen Kontext – Jürgen Herget
    – Eis-Hochwasser (des Rheins) 1784 – Manfred Spata
    – Hochwassergeschichte bis zur Römerzeit – Jürgen Herget

    Der gesamte Vortrag war hoch spannend und informativ gestaltet. Es würde den Rahmen sprengen alle Erkenntnisse zu erwähnen. Daher beschränken wir uns auf einzelne Punkte, die wir aus Sicht von Beuel.net und für das generelle Verständnis von Hochwasser besonders wichtig erachten.

    Kennzahl Abfluss

    Für eine wissenschaftliche Betrachtung der Hochwasser ist immer auch eine Abschätzung der Wassermengen pro Zeit relevant, die als Abfluss bezeichnet. Der Pegelstand, der für den Normalbürger durchaus besonders wichtig erscheint, steht in Abhängigkeit mit dem Abfluss und dem Querschnitts des Flussbettes sowie den Hindernissen in diesem.

    => Abfluss beschreibt Wassermenge pro Zeit, z.B. Liter pro Sekunde

    Hochwasser im Ahrtal 2021 versus 1804

    Überraschend in diesem Zusammenhang erscheint, dass es im Ahrtal bereits im Jahre 1804 ein ähnliches Hochwasserereignis gegeben hatte – sofern man sich auf die Wassermengen bezieht. Der Pegel blieb jedoch deutlich unter dem von 2021. Das überrascht zunächst, doch Prof. Herget konnte es anhand von Querschnitts-Zeichnungen exemplarisch für den Ort Dernau verständlich erklären: das Tal blieb von den seitlich angrenzenden Bergen unverändert, jedoch wurde das Gebiet in den letzten 200 Jahren dicht besiedelt.

    Jedes Haus stellt für das Wasser ein Hindernis dar, durch Prallwasser aber auch durch sein reines Volumen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass sich an mehr Hindernissen auch mehr Treibgut verfangen kann, so dass es zu Aufstauungen kommt. Das alles führte dazu, dass der Pegel 2021 sehr viel höher war als noch 1804.

    => Änderung des Querschnitts durch Bebauung

    Womit rechnet man?

    Ob man mit einem solchen Ereignis im Ahrtal gerechnet hatte? Die Pegelmesseinrichtungen lassen einen anderen Schluss zu. Der Pegel der Ahr war so hoch, dass er selbst Pegelhäuser überstieg und zerstörte. In der Folge fehlte es an Daten, aus denen man die Abflusswerte hätte berechnen können. Prof. Herget war zu diesem Zwecke als Team im Ahrtal um anhand von Treibgutablagerungen, Beschädigungen an Bäumen und Häusern, Höhen zu bestimmen, aus denen dann eine Abschätzung möglich wurde.

    => Pegelindikatoren finden sich auch abseits der klassischen technischen Messeinrichtungen

    Hochwasserschutz und Politik

    Ist es die Forschung, die sich mit dem Hergang und den Folgen von Wetterereignissen und in der Folge Hochwassern beschäftigt, so ist deren Bewertung und Berücksichtigung auch immer eine politische Entscheidung. Unterschiedliche Interessen stehen dabei mitunter in Konkurrenz zueinander – wie etwa der Wunsch nach fluss- oder stadtnahem Wohnraum versus der Gefahr von Überschwemmungen versus Kosten. Es bleibt wie immer im Leben eine individuelle Risikoabschätzung.

    Mögen die Hochwasserkatastrophen ein Weckruf gewesen sein und die Menschen nicht vergessen lassen, welche Gefahren auch aus scheinbar friedlichen Flüssen erwachen können. Da auch am Rhein ein Pegel von über 9,50 Meter wieder auftreten wird (Höchstwerte waren 10,13 in den 90er Jahren und ca. 14,23 m 1784) könnte man so zu dem Schluss kommen, dass in Beuel kaum ein Haus hätte gebaut werden dürfen. Zumindest beschloss man in den Erdgeschossen keine Wohnräume mehr zu genehmigen sondern nur noch Abstellräume und Garagen etc.

    => Hochwasserschutz ist immer eine Risikoabschätzung und auch eine politische Frage

    Bewusstsein schaffen und bewahren

    In diesem Sinne ist das Engagement des Geschichtsvereins zu begrüßen an vielen Stellen in Beuel Hochwassermarken anzubringen, um genau daran zu erinnern: Hochwasser ist und bleibt eine Gefahr, trotz aller Bemühungen und mitunter trügerischer Sicherheit. Je seltener die Ereignisse auftreten um so schneller wähnt man sich in Sicherheit (Stichwort: „Hochwasser-Demenz“).

    Wer wohnt heute in Beuel, der selbst noch eines der Hochwasser der 90er-Jahre erlebt hat? Diese liegen nun auch bereits schon 30 Jahre in der Vergangenheit. Wer sie nicht kennt, denkt vielleicht die Hochwassermauer ist fertig gestellt, da könne ja nichts passieren. Ob sich jeder damit beschäftigt hat, dass sie ab 9,50 m überspült werden und dann die Rheinaustraße schlagartig unter Wasser steht? Darauf immer wieder hinzuweisen, dem gehen auch wir nach. Nicht um Angst zu machen, sondern um

    => ein Bewusstsein zu schaffen, dass schnelles Handeln in Zukunft auch in Beuel erforderlich sein wird.

    Der Rhein hat kein Gedächtnis

    Schaut man sich Begriffe wie Jahrhunderthochwasser etc. an, steht oft dabei „ein Ereignis wie es statistisch in 100 Jahren einmal auftritt“. Der Trugschluss: das passiere also nur alle 100 Jahre. Doch der Rhein hat kein Gedächtnis. Es gibt keine Garantie, dass nicht zwei oder mehr Hochwasser direkt aufeinander folgen. Plakatives Beispiel sind am Rhein 1993 und 1995. Innerhalb von nur 2 Jahren ereigneten sich 2 „Jahrhunderthochwasser“. Diese Bezeichnungen dienen mehr der Einordnung und können helfen Hochwasserstände an unterschiedlichen Orten einfacher vergleichen zu können. Sie sind kein Garant für die Zukunft.

    => Jahrhunderthochwasser heißt nicht: nur alle 100 Jahre

    Eishochwasser 1784

    Dem Eishochwasser 1784 ging ein Vulkanausbruch im Jahre 1783 voraus. Dessen Aschewolke verdunkelte Europa erheblich, was zu einem besonders strengen Winter führte. Der Rhein fror zu, so dass man ihn zu Fuß überqueren konnte. Selbst Volksfeste wurden darauf veranstaltet. Als dann im Frühjahr 1784 Tauwetter einsetzte und aus den südlichen Zuflussgebieten des Rheins immer mehr Wasser Richtung Nordsee strömte, konnte das Eis zunächst nicht so schnell schmelzen. Die Folge: das Wasser floss über den gefrorenen Rhein. Als sich mit der Zeit die Eisschicht schmolz, teilte sie sich in Eisschollen. Diese konnten jedoch nicht ungehindert abfließen, so dass sie sich verkeilten und das heran eilende Wasser zusätzlich stauten. So kam es zu den extremen Pegelwerten um 14,23 m.

    => Verkettung von außergewöhnlichen Naturereignissen

    Hochwasserberechnung ohne Pegelmessgeräte

    Im dritten Teil des Vortrages wurden Verfahren vorgestellt, wie man anhand schriftlicher Überlieferungen Pegelstände und Abflüsse rekonstruieren kann. Dies gleicht einer detektivischen Arbeit. Vereinzelt finden sich Angaben bis wohin das Wasser stand, woraus sich, sofern die Gebäude noch stehen oder bekannt sind, Näherungen ermitteln lassen.

    In einem Beispiel eines Textes von Tacitus wird deutlich, dass Wissen aus der Zeit elementar ist, um Größenordnungen abzuschätzen. Ist überliefert, dass Schiffe nicht mehr fahren können, kann aus deren bekannten Abmessungen der Tiefgang ermittelt werden und so eine Aussage über den Wasserstand getroffen werden. Kämpften die Soldaten im Wasser, so ist gleichfalls die Pegelhöhe limitiert. Aus einer Vielzahl an Informationen können so Pegel und Querschnitt bestimmt werden, womit eine Näherung für den Abfluss zum damaligen Zeitpunkt bestimmt werden kann.

    Systematische Pegeldaten bilden nur einen Teil ab

    Meinung. Der Fortschritt in der systematischen Erfassung von Pegelständen und Abflüssen führt dazu, dass heute eine beachtliche Menge an Daten zur Verfügung steht. So werden die Pegelstände am Rhein heutzutage in der Regel in 15-Minuten-Intervallen erfasst. Jedoch gibt es ein Manko: der Mensch tendiert dazu die Gesamtheit der Daten als Grundlage für Modelle und Berechnungen sowie Risikoabschätzungen zu nutzen. Schnell lässt man außer Acht oder kommuniziert nicht vollständig, dass es auch in der Zeit vor der systematischen Erfassung Hochwasser gab – nur sind diese nicht so genau beschrieben oder in kurzen Intervallen erhoben, so dass man die üblichen Kennlinien erstellen könnte.

    In heutigen Pegelkennlinien des Rheins (beispielsweise auf hochwasser.rlp.de) findet man das Hochwasser von 1784 nicht. Bei den Pegelkennlinien der Ahr wird das Hochwasser von 1804 nicht genannt. Das mag sich technisch begründen lassen, weil nur aus den systematischen Daten die Maxima besonders erwähnt werden und dies einfach umsetzbar ist. Für ein vollständiges Bild sind diese historischen Informationen jedoch essenziell. Dass sich Naturereignisse in ähnlicher Weise mit vergleichbaren Wassermengen wiederholen können hat sich im Ahrtal leider erschreckend deutlich gezeigt. Erlaubt man die Besiedelung der Gebiete obliegt der Gesellschaft eine besondere Aufgabe für die Sicherheit der Menschen zu sorgen und wiederkehrend (sich) über die Gefahren zu informieren, um dem Vergessen entgegen zu wirken.

    Danksagung

    An dieser Stelle möchte sich Beuel.net ausdrücklich bei den Vortragenden. Prof. Herget ist äußerst engagiert auch auf technische Rückfragen etwa zur Gerinnehydraulik eingegangen. Die Ergebnisse der Berechnungen werden wir beizeiten hier auf Beuel.net veröffentlichen. Herrn Spatas Engagement zur Aufrechterhaltung der Erinnerung an das Eishochwasser in Beuel begrüßen wir. Noch in diesem Sommer ist das Anbringen einer weiteren Hochwassermarke geplant.

    Quellen: Inhalte des Vortrags wie oben erwähnt, Gespräche mit Referenten im Anschluss an die Veranstaltung