Kennedybrücke: Wie entwickelte sich der KFZ-Verkehr zum Juli 2026?

Dieser Tage ist es ungewöhnlich ruhig auf den Bonner und Beueler Straßen rund um die Kennedybrücke. Die Auswirkung der Sommerferien in NRW haben wohl zu einem spürbaren Rückgang des Verkehrsaufkommens geführt. Eine Wohltat, nach den stressigen ersten Wochen, in die Bonn von heute auf morgen geraten war. Bemerkenswert ist wie viele kurzfristige Maßnahmen die Stadtführung unter OB Déus beschlossen und unmittelbar umgesetzt hat.

Selbst seit Jahren bestehende Themen wie die Beschleunigung der Linie 66 durch eine eigene Spur am Combahnfriedhof wurden pragmatisch und schnell umgesetzt. Auch die schon lange diskutierte Neuregelung des Radverkehrs auf der Kennedybrücke erfolgte schnell. P+R Flächen wurden gefunden, innerhalb von 3 Tagen über das lange Fronleichnam-Wochenende ein Shuttlebus von Pützchen nach Vilich eingerichtet und viele weitere Maßnahmen umgesetzt. Sogar der ÖPNV wurde zeitweise kostenfrei. Eine Maßnahme mit der vor einem Jahr wohl kaum jemand gerechnet hätte.

Natürlich kann man über einzelne Maßnahmen unterschiedliche Meinungen haben. Welche davon wie effektiv sind wird sich zeigen. Und hier kommen wir zu einem Punkt. Wie wird der Erfolg gemessen? Was sind Kriterien?

Wie bei jeder Interpretation ist die Gewichtung der Kriterien relevant. Unter anderem in Betracht kommen: Stau auf den Hauptachsen, Geschwindigkeiten der Fahrzeuge, Anzahl von Fahrzeugen pro Zeit, Verspätungen im ÖPNV, Stau in Nebenstraßen, Reisezeiten von A nach B.

Während Radverkehrszählungen kontinuierlich erfolgen, nutzt die Stadt für den Kfz-Verkehr einerseits Bluetooth-Fahrzeitdaten und andererseits punktuelle Verkehrszählungen. Via Bluetooth werden die Fahrzeiten und damit Geschwindigkeiten auf definierten Teilstücken kontinuierlich ermittelt. Diese Daten werden alle fünf Minuten über die OpenData Plattform der Stadt Bonn unter opendata.bonn.de publiziert

Darüber hinaus erfolgten auch Verkehrserhebungen an einzelnen Tagen durch Zählungen. Wir haben diese Daten bei der Stadt Bonn angefragt, um eine Aussage treffen zu können wie stark der Verkehr zugenommen hat.

Bereits nach der Ablastung, der Nordbrücke ließ die Stadt an mehreren Stellen den Verkehr erfassen. Nach Angaben der Verwaltung wurden auf der Sankt-Augustiner-Straße sowie an der Kölnstraße, Römerstraße und Burgstraße im April/Mai Zählungen durchgeführt. Nach der vollständigen Sperrung der Nordbrücke folgten weitere Erhebungen am 30. Juni und 1. Juli 2026.

Die folgenden durchschnittlichen tägliche Verkehrsmenge (DTV) wurden dabei erhoben:

Aus Richtung Süden (grob der Ablauf der Kennedybrücke von Bonn nach Beuel)
wurde nach der Ablastung (und damit vor der Vollsperrung) ein Wert von ca. 10.000 KFZ/24h ermittelt.
Nach der Vollsperrung ergab sich ein Wert von 16.500 KFZ/24h.
Dies entspricht einer Steigerung von rund 65%.

In der Spitzenstunde (nun 13 – 14 Uhr) lag der Durchsatz bei 976 KFZ/h. Dies ist eine Steigerung von rund 20% im Vergleich zu den 811 (15 – 16 Uhr) aus der Zeit vor der Vollsperrung.

Aus Richtung Nordosten (grob der Zulauf der Kennedybrücke von Beuel nach Bonn)
wurde nach der Ablastung (und damit vor der Vollsperrung) ein Wert von ca. 11.500 KFZ/24h ermittelt.
Nach der Sperrung ergab sich erneut ein Wert von ca. 11.500 KFZ/24h.
Rein aus den Zahlen ergäbe sich so keine Steigerung. Anzumerken ist jedoch, worauf uns die Stadt explizit hinwies, dass die Ganglinien für Juni Richtung Innenstadt untypisch sei. Demnach erscheint die zweite Zählung nicht belastbar. Der Vollständigkeit halber: die Werte der Spitzenstunden lagen im April/Mai bei 877 KFZ/h und nach der Vollsperrung bei 853 KFZ/h.

Für die Zukunft plant die Stadt an mehreren Standorten Dauerzählstellen einzurichten.

Vergleicht man die Werte mit denen der Nordbrücke wird der Unterschied der Kapazitäten sehr deutlich. Auf der Nordbrücke waren vor der Sperrung rund 100.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Nach der Ablastung waren es auf der Kennedybrücke 21.500 pro Tag. Natürlich ist eine mehrspurige Autobahn nicht mit einer innerörtlichen Brücke zu vergleichen. Selbst wenn der Verkehr Richtung Innenstadt an anderen Tagen deutlich höher sein sollte: selbst 14.000 (21.500 + 65%) zusätzliche KFZ pro Tag über die Kennedybrücke entsprechen rund 14% der 100.000 Fahrzeuge, die früher täglich über die Nordbrücke fuhren.

Meinung. Die Planung der Einrichtung dauerhafter Zählstellen scheint ein guter Entschluss zu sein. Denn so können die Auswirkungen der verkehrsplanerischen Maßnahmen unmittelbar beobachtet werden. Die Bluetooth-Daten geben zwar Aufschlüsse wo Stau sein könnte, sie sagen jedoch nicht unmittelbar aus, ob die Straße bzw. Brücke optimal ausgelastet ist. Im Lichte der Folgen von Staus auf der Brücke für die gesamte Stadt scheint dies ein relevantes Kriterium zu sein: der Verkehr muss rollen, auch damit Busse eine attraktive Alternative sind. Dass der Verkehr über die Kennedybrücke durchaus mit 976 KFZ/h laufen kann, gibt wenigstens etwas Hoffnung für die nächsten Jahre.

Entscheidend wird auch sein, dass Zu- und Abläufe zur Brücke eine kontinuierliche Nutzung ermöglichen. Das heißt, dass Kreuzungsbereiche freigehalten werden und möglichst keine Hinternisse entstehen oder auf das Nötigste reduziert werden. Selbst ein liefernder LKW kann dazu führen, dass Busse oder LKW kaum noch vorbei kommen.


Im Zuge der erheblichen Verkehrsbelastungen wurden einige Webseiten erstellt, die sich mit der Analyse und Empfehlung von Routen beschäftigen.

Zunächst die offizielle Seite der Stadt Bonn: bonn.de/nordbruecke Dort sind ein Großteil der Maßnahmen zu finden.

Auf https://www.bonn-überbrückt.de/ werden aktuelle Routenempfehlungen und Zeitprognosen veröffentlicht.

Die Seite https://bundesstaustadt.de/ aggregiert Daten von OpenData der Stadt Bonn und Google Maps und bietet so eine Übersicht.

Wir hatten auch ganz zu Anfang eine solche Seite, doch verweisen nun auf die der Stadt wie oben erwähnt.

Quellen: Presseanfrage an Stadt Bonn und https://www.bonn.de/pressemitteilungen/juni-2026/ob-deus-zur-nordbruecke-eine-schlimme-botschaft-fuer-bonn-und-die-region.php